Sensation in St. Johannes: Teile der Weihnachtskrippe aus dem 17. Jahrhundert

Stadtarchivar Markus Hiermer ist sicher, Figuren wurden 1639 gefertigt

 

 

Jedes Wochenende erfreuen sich die Besucher der Stadtpfarrkirche St.Johannes im Zentrum Erdings an den herrlichen Altären und der grandiosen Rieger-Orgel. Eine historische Sensation ist aber die kleine Krippe, die immer ab der Adventszeit bis Maria Lichtmess am 2. Februar alle zehn bis 14 Tage umgebaut wird. „Ich gehe fest davon aus - denn darüber gibt es Aufzeichnungen bei mir im Archiv - dass einzelne Figuren der Krippe aus dem Jahr 1639 stammen. Das wäre dann eine der ältesten Krippen in Bayern!“, davon ist Erdings Stadtarchivar Markus Hiermer überzeugt.

 

Aktuell befinden sich in der gut zwei Meter breiten Krippe nur vier historisch gewandete Figuren, einige Stühle und Tische. „Da habe ich jetzt Maria Verkündigung aufgebaut, das steigert sich langsam über Hirten, Tiere, die Heiligen Drei Könige bis am 24. Dezember das Christuskind im Stall liegt“, berichtet Mesner Andreas Bigliel (35). Er ist jedes Jahr für die Gestaltung und den Aufbau der Krippe zuständig. „Ich war schon als Kind jedes Wochenende in der Kirche, später dann als Ministrant und habe mich immer auf die Weihnachtszeit und die Krippe gefreut!“

Weil die Figuren so unglaublich alt sind, befinden sie sich hinter dickem Glas. Unstrittig ist das Alter des Stalls, der hat nämlich den Aufdruck 1884. Die Kleidung und Möbel sind relativ neu, „die sind langsam auseinander gefallen“, so Begliel. Er hat alte Aufzeichnungen von Pfarrer Josef Mundigl, in denen steht, dass die Holzfiguren Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts geschnitzt wurden, was ja auch schon ganz schön alt wäre.

Erdings Stadtarchivar Hiermer, selbst ein wandelndes Lexikon, hat da aber ganz andere Unterlagen im Keller: „Nachdem Erding in den Jahren 1632 und 1634 zwei Mal von Schweden und Franzosen geplündert und niedergebrannt wurde, erholte sich die Stadt rasch. Schon 1639 wurde wieder eine schöne Krippe ausgestellt - und aus dem Jahr sind einige Figuren, die wir heute noch in St.Johann zur Weihnachtszeit sehen können!“, betont Hiermer und verkündet damit eine wahre Sensation.

Noch etwas fügt der Archivar an. „Als im Jahr 1648 die Schweden erneut in Richtung Erding marschierten, da wurden alle wichtigen Schätze eng in Fässer gepackt und bei Nacht und Nebel über den Inn nach Österreich geschafft. „Über den Inn kamen die Schweden nicht und so blieb der gesamte Kirchenzierrat gut erhalten – und da waren auch die Krippenfiguren dabei!“

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