RAPS

Das Comeback einer „schon abgeschriebenen“ Ölfrucht

 

 

Noch blühen sie überall, man sieht und riecht sie von weitem: Rapsfelder. Hellgelb leuchten sie
und locken über ihre Farbe und den Geruch der über 10.000 Blüten je Quadratmeter bestäubende Insekten an. Raps ist im Frühling und Frühsommer eine Hauptnahrungsquelle
für Bienen, bis zu 80 Gläser Honig können von einem Hektar Raps gewonnen werden.
Die Bestäubung der Rapspflanze findet durch Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Fliegen statt. Diese Pflanze ist eine Augenweide und weckt bei vielen
Menschen Emotionen: beginnender Sommer, steigende Temperaturen. Im Jahr 2017 wurde Raps im Landkreis Erding von über 200 landwirtschaftlichen Betrieben auf einer Fläche von insgesamt 1.700 Hektar angebaut, was der Größe von 2.550 Fußballfeldern entspricht. „Es wäre
schade, wenn diese so vielfältig nutzbare Pflanze nach ihrem Comeback in den 80-igern wieder in einer Nische verschwinden würde. Die Rapsanbauer im Landkreis geben ihr Bestes, um diese wertvolle Pflanze in unserem Landschaftsbild zu erhalten“, unterstreicht Michael Hamburger, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Aus Sicht der Landwirte wird der Rapsanbau in Deutschland immer schwieriger, da Rapsöl massive Billigkonkurrenz erhält, etwa durch Palmöl aus Indonesien und anderen Ländern. Dabei wäre einheimisches Rapsöl im Sinne der Regionalität für uns Alle die bessere Wahl. Alles beginnt immer im August, dann werden 40 bis 60 Rapskörner pro Quadratmeter flach in den Boden gesät, pro Hektar (= 10.000
Quadratmeter oder 1,5 Fußballfelder) drei bis vier Kilo Saatgut. Bereits wenige Tage nach der Saat sprießen Rapspflänzchen, bis zum Herbst bedecken sie den kompletten Boden. Allerdings bleibt die Pflanze klein, erst durch den Frost im Winter bereitet sie sich darauf vor, in die Höhe zu schießen. Im Frühling ist der Raps die erste Pflanze, die aus dem Winterschlaf erwacht, normalerweise bereits Ende Februar. Bis zum April streckt sie sich auf 80 bis 120 Zentimeter
Wuchshöhe und bringt ihre Knospen in Position. Ende April oder Anfang Mai kann man dann eine sachte Gelbfärbung der Felder erkennen, die ersten Knospen öffnen sich. Bis zum Ende der ersten Maidekade steht der Raps in Vollblüte und die leuchtend gelben Felder sind gut sichtbar. Nach dem Verblühen ändert sich das Bild: Die Rapspflanze setzt Schoten an und färbt sich ab Juli bräunlich – sie reift und stirbt ab. Aus den vier Kilo Saatgut sind so 4 Tonnen auf einem Hektargeworden, die vielfältig genutzt werden können. Als hochwertiges Speiseöl ähnelt Rapsöl dem Olivenöl, wobei es ein günstigeres Fettsäuremuster bieten kann beim gleichzeitigen Vorteil der regionalen Erzeugung. Als nachwachsender Rohstoff wird dieses Öl auch zu Schmier- und Treibstoffen verarbeitet. Der verbliebene Pressrückstand ist außerdem ein hochwertiges Eiweißfutter in der Tierernährung, besonders in der Rinderfütterung werden Rapskuchen oder Rapsextraktionsschrot gerne eingesetzt als hervorragende Alternative zum importierten Soja.
Raps ist eine gute Vorfrucht, lockert den Boden, bedeckt ihn über fast elf Monate des Jahres und bietet außerdem Nahrung und Schutz für eine Vielzahl von Insektenarten. Auch bei vielen Imkern sind blühende Rapsfelder gern gesehen als Nahrungs- und Honigquellen für ihre Bienen, besonders im Frühjahr wo, sonst noch nicht viel Angebot an Nektar vorhanden ist.

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