Die KRÄHE freut sich über Pommes rot/weiß

Umweltreferent Thomas Schreder berichtet:

 

 

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er viel zu erzählen, besagt ein Sprichwort. So hielt es auch der Umweltreferent der Stadt Erding Thomas Schreder, der von seiner morgendlichen Jogging-runde durch Erding berichtete und seinen „Begleitern“: Krähen, Hasen, Fröschen, Füchsen,
Fischen und Hornissen, „viel üppigem Grün“ auf Balkonen, in Gärten und an den Straßenrän-dern. Aber auch von Glasscherben, Zigarettenkippen und sonstigem herrenlosen Unrat aus
Papier und Lebensmittelresten.

Anlass seiner Erzählung war der sonntägliche CSU-Frühschoppen. Seine morgendliche einstündige Runde, beginnend in der Franz Brombach Straße im Zickzack durch die Stadt bis zum Kronthaler Weiher, hatte er da schon in den Waden. In vielen Bereichen lasse man in Erding der Natur ihren Raum, trotz wirtschaftlichem Wachstum,  Freizeitnutzung und Wohnen. In konsequenter Umweltbildung und -information sowie einer Portion Mut zur Unordentlichkeit sieht der Biologe seine wichtigste Aufgabe als Umweltreferent, denn „nur was ich kenne, schätze ich. Und nur was ich schätze, schütze ich!“

 

Der Verbraucher ist verantwortlich
Nach dem anfänglichen Konzert von Amseln, Finken und Spatzen, dem Krächzen eines Fasans und einer Wacholderdrossel im Baum, trifft Schreder bald auf Krähen, die sich in den gedan-kenlos weggeworfenen Fast-Food-Tüten die letzten Kartoffelreste oder Burgerstückchen
herauspicken. Die Mitarbeiter der Lokale bemühten sich, die Hinterlassenschaften ihrer Kunden zu entsorgen, „aber hier ist schon Eigenverantwortung gefragt.“ Ebenso bei den Müllcontainern, „Vögel verwenden Plastik und Scherben zum Nestbau. Ganz zu schweigen, dass es scheußlich
ausschaut, was da so alles neben den Containern herumliegt.“ Das müsse die Stadt in den Griff bekommen und ein Auge drauf haben. Ähnliches begegnet Schreder am Kronthaler Weiher, wo Kioskmitarbeiter dem Heer der Zigarettenkippen beizukommen versuchen. Auch hier brauche es Verbesserungen, etwa Alu-Aschenbecher, die man bequem entsorgen kann. „Ich appelliere hier an die Vernunft, nehmt eure Kippen, nehmt euren Müll mit!“

 

Rund um die Erdinger Häuser entdeckt er trotz dichter Bebauung viel Grün, die artenreichen Blühstreifen am Straßenrand mögen ungeordnet aussehen, „für die heimischen Insekten ist das sehr gut.“ Auch, dass sie nach dem Verblühen nicht sofort abgeschnitten werden, sondern  Absamen und als Nahrung und Unterschlupf dienen dürfen. Am Itzlinger Graben tönt das Froschkonzert, der Geruch eines Fuchses belegt für den Biologen, dass das gesamte Stadtgebiet von den Rotbraunen bevölkert ist. Am Grainger Weg begegnet Schreder einer Bachstelze beim
Insektenfrühstück, ein Grünspecht hängt sich an die alten Buchen, die „der Mix aus naturbe-lassenen, offenen und lichtdurchfluteten Bereichen im Park sind eine extreme Aufwertung des Stadtparks aus biologisch ökologischer Sicht“, betont Schreder.
In der Sempt schwimmen Bach- und Regenbogenforellen. Eigentlich sei die Sempt ein Bach mit Kiesbett, „das muss man wieder mittels einer Bachauskehr zum Vorschein bringen.
Das Sediment muss raus.“ Fische und Wasservögel zu füttern sei nur für Fotofreaks schön, für die Tiere jedoch völlig ungesund. „Brot ist nicht ihre natürliche Ernährung. Dann doch
das Futter aus dem Automaten nehmen, das ist tierverträgliche Kost.“

 

Der Saatkrähe Einhalt gebieten
Die Lebensgrundlagen hinsichtlich Futter, Nistmöglichkeiten und das Fehlen natürlicher Feinde in der Stadt sind für Krähen ideal um sich zu vermehren. Waren es im Jahr 2008 noch 68 Brutpaare, sind es heute 1000. Zahlen, die ein Monitoring ergeben haben. Der Einzige, der der unkontrollierten Ausbreitung der Saatkrähe Einhalt gebieten kann, ist der Mensch. „Auf kurz oder lang müssen wir den Erhaltungszustand neu definieren“, formulierte es Schreder. Es gehe ihm keineswegs um die Ausrottung des schwarzen Gefieders, aber die Dichte sei zu hoch. Das Monitoring im Stadtparkt liefere die erforderlichen Daten um den Erhaltungszustand und even-tuelle Reduzierungsmaßnahmen angehen zu können. „Das zu bohrende Brett ist dick, aber wir könnten damit in Erding eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Auch wenn sich Bürger hier aktiv „beteiligen“ und an die Stadt herantreten, „das ist sinnvoll und kann Wirkung haben.“

Schätze der Stadt schützen
Aber, so Schreders Fazit, „in Erding ist es mit Umwelt und Natur nicht zum Schlechtesten bestellt.“ Den „blauen Blitz“, den Eisvogel, der entlang des Fehlbachs sein Revier gefunden hat, mitten in der Stadt beobachten zu können, „das ist ein gutes Zeichen.“

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