Wir Bauern brauchen höhere Preise zum Überleben!

KEINE EINIGKEIT UNTER DEN MILCHBAUERN, UM GEMEINSAM MENGE ZU REDUZIEREN

 

 

„Bauern brauchen Bienen und faire Preise“ Mit fünf riesen Plakaten an großen Kreisstraßen machen die Milchbauern im Landkreis auf ihre Misere aufmerksam: Sie bekommen für den Liter (konventionelle) Milch von den Molkereien aktuell nur 33 Cent – notwendig wären aber drin-
gend 40 Cent und mehr. Im Gegensatz zu 1980, wo der Bauer noch über 56 Prozent Anteil am verkauften Liter Milch hatte, sind es heute gerade noch 38 Prozent! Jeder betriebswirtschaftli-che Novize würde da sofort sagen: Da müsst ihr eben weniger liefern, damit der Preis steigt. „Das wäre der einzige richtige Schritt, aber es gibt weder eine Solidarität unter den Bauern, noch unterstützt uns die Politik in Berlin. Also können wir Plakate aufhängen und  demonstrie-ren – hoffentlich nützt das etwas“, sagt Mathias Lohmeier vom „Bundesverband Deutscher Milchviehhalter“ (BDM), der in Opposition zum sehr industrienahen Bauernverband steht.
Der Landkreis Erding hat 2000 Landwirte, 68 Prozent der Fläche wird landwirtschaftlich be-arbeitet, so viel wie in keinem Landkreis in Bayern. Milchbauern gibt es noch gut 500, wieder 50 weniger als im Vorjahr. „In den letzten zehn Jahren hat sich unsere Zahl halbiert, das ist drama-
tisch! Es macht eigentlich keinen Spaß mehr: Die Molkereien stehen nicht auf unserer Seite, die Politik schon lange nicht mehr und unter den Kollegen herrscht auch keine Einigkeit“, sagt Lohmeier. „Wir müssen parieren, sonst fliegen wir raus“, sagt Matthias Flossman. Er hat 45 Kühe, die er konventionell bewirtschaftet.
Im Gegensatz dazu ist Lohmeier schon lange auf Bio umgestiegen, seine Kühe haben alle Hörner, viel Platz und er bekommt 46 Cent für den Liter. „Unser Ziel langfristig sind 50 Cent für konventionelle und 60 Cent für Bio-Milch. Doch die Macht der Molkereien ist so groß, wenn
sich einige Bauern einig sind, weniger zu liefern, springen sofort andere aus Bayern oder auch aus dem Ausland ein und liefern einfach noch mehr. Wir haben niedrige Preise aber trotzdem ein Überangebot, das gibt‘s doch gar nicht“, schüttelt Lohmeier den Kopf.


Auch sein Kollege Johann Altmann, er hat 75 Kühe, schwankt zwischen Ärger und Resignation. „Es fehlt beim Verbraucher die Einsicht, dass man gute Qualität nicht zum Ramschpreis bekommt, der Bauernverband schaut nur noch auf die ganz großen Betriebe und die Politik in Berlin ordnet sich Brüssel total unter. Dazu kommt ein unglaublich mächtiger Handel, der
die Preise willkürlich festsetzen kann – denn bei Aldi und Co. gibt es ja gute Ware – nur bekommen wir Produzenten von Milch und Fleisch eben immer weniger“, sagt Altmann. Johann
Eicher aus Dorfen sieht das Hauptproblem beim Endverbraucher: „Es gibt leider kein Bewusstsein für guteLebensmittel, für viele zählt nur noch der Schnäppchen-Preis.“ Lohmeier
spricht noch einen weiteren Punkt an: „Jetzt gibt es ja auch Bio-Produkte beim Lidl, ich bin da sehr skeptisch, was die wirklich vorhaben. Im Moment zahlen sie gute Preise, da steigen auch einige Kollegen um auf Bio. Aber bleiben die nach dem 5-Jahres-Vertrag auch dabei?“
Mit ihren Großplakaten sowie weiteren Demos und Aktionen wollen die Milchbauern im Landkreis Erding auf sich aufmerksam machen. „Wir brauchen den engen Kontakt und die Akzeptanz durch die Verbraucher, nur so haben wir eine Chance! Jeder sollte beim Kauf einer Milchpackung nicht nur schauen, was sie kostet, sondern auch woher sie kommt.“

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