Der Apfel-König

Michael Neumüller hat mit „Winterzauber“ seine siebte Apfelsorte gezüchtet

 

 

Er hat schon wieder zugeschlagen! Mit dem süßen und äußerst aromatischen „Winterzauber“ bringt Dr. Michael Neumüller (40) vom „Bayerischen Obstzentrum“ in Hallbergmoos seine siebte eigene Apfelzüchtung auf den Markt. „Alle unsere Züchtungen sind genau so, dass jeder sie in seinem Hausgarten einpflanzen und bereits nach zwei, drei Jahren schöne Mengen für sich ernten kann“, sagt Neumüller. 20 Jahre intensive Arbeit stecken hinter einer neuen Sorte, die dann auch zu unserem Klima passt – etwa ganz im Gegensatz zu einigen Früchten, von denen Neumüller dringend abrät.

 

Heimische Äpfel sind aktuell so teuer wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt an der kleinsten Apfelernte in Deutschland seit zehn Jahren. In den deutschen Hauptanbaugebieten Bodensee, Altes Land bei Hamburg und Sachsen-Anhalt standen die Bäume im April in voller Blüte – doch dann kam der Frost und hat zum Teil die Hälfte der Ernte vernichtet. Da jeder Deutsche mehr als 20 Kilo Äpfel im Jahr isst, werden diese teurer und kommen oft von weither.

Nach dem Motto „saisonal und regional“ kann jeder in seinem Garten selbst Obst anbauen (wobei der Forst natürlich auch die privaten Obstbäume in den Landkreisen Erding und Freising traf). Und welche Äpfel? Eben nicht Jonagold (stammt aus den USA), Elstar (aus Holland), Gala und Braeburn (aus Neuseeland), Pink Lady (aus Australien) oder Fuji (aus Japan). Einige darf man gar nicht privat anbauen, weil sie mit Lizenzen vergeben werden, die meisten anderen wachsen bei uns nicht, sind extrem krankheitsanfällig.

 

Also heimische Äpfel vom „Bayerischen Obstzentrum“ aus Hallbergmoos! Auf seinem über 30 Hektar großen Familienbetrieb züchtet er heimische Obstorten, verkauft die Bäume, Früchte, Dörrobst, Gelees und den Saft davon. Über 15.000 verschiedene Obstsorten hat er mittlerweile, von den meisten gibt es nur fünf oder zehn Bäume, von einigen 200, um zu sehen, ob die Sorte bei uns funktioniert und ob die Früchte Chancen auf dem heimischen  Markt haben. Sein aktueller Favorit ist die „Aroma-Felsenbirne“: die Früchte so dunkelblau und große wie Heidelbeeren, „aber unglaublich aromatisch!“, schwärmt Neumüller. Ebenso sollte man Zwetschgen, Mirabellen oder Renekloden ausprobieren, ebenso Pfirsiche und Nektarinen. „Finger weg aber von Aprikosen – da lebt wegen einem Pilz kein Bäumchen mehr länger als drei Jahre!“

 

Und dann natürlich Neumüllers geliebte Apfel-Züchtungen: „Baya Franconia“ mit dem rot-weißen Fruchtfleisch, „Baya Marisa“, wo das aromatische Fruchtfleisch komplett rot ist, „Freiherr von Hallberg“, bei dem bleibt das feste, süß-säuerliche Fruchtfleisch auch nach dem Anschneiden weiß, „Gräfin Goldach“, der saftige Apfel, der auch bei den empfindlichsten Apfel-Freunden keine allergische Reaktion auslöst, „Laetitia“, der perfekte und knackige Ersatz für Pink Lady im Hausgarten und „La Torre“, ein spritziger, robuster Säulenapfel. Und nun, als siebte eigene Sorte: „Winterzauber“. Für Neumüller ging es bei dieser Sorte vor allem darum, einen Apfel mit möglichst wenig Säure zu züchten. „Es gibt Menschen, die wollen nur die Süße und ein ausgeprägtes Aroma, aber keine Säure. Das ist genau unser Winterzauber, sehr ähnlich zu Gala oder Fuji – knackig und wunderschön rot!“

 

Damit die Bäumchen oder Bäume auch schön wachsen und möglichst viel tragen, gibt Neumüller jedem Kunden, der zu ihm kommt, intensive Tipps, hat ein kleines Heftchen erstellt und lädt regelmäßig zu Schnittkursen ein. „Der beste Baumschnitt ist aber, wenn möglichst wenig geschnitten und die vermeintlich unsinnigen Wassertriebe nach oben schön waagerecht gebogen werden – im nächsten Jahr kommen dann dort die Früchte“, verrät er sein Geheimnis. Dazu dichte Netze gegen Maden und Kirschessigfliegen, eine graslose „Baumscheibe“ rund um das Bäumchen und möglichst keinerlei Chemie. „Dann klappt’s bei jedem“, verspricht Neumüller.

 

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