Hinter den Kulissen des Museums Erding:  Museologin Elisabeth Boxberger

Sie bringt die Dinge zum Sprechen und arbeitet dennoch hauptsächlich hinter den Kulissen. Sie ist „die Neue“ an der Seite von Museumsleiter Harald Krause. Seit Oktober vergangenen Jahres sammelt, pflegt, dokumentiert und erforscht die studierte Museologin Elisabeth Boxberger die Museumsbestände, die vor allem im Depot im Untergeschoss liegen. Dabei sind es nicht nur die Gegenstände an sich, die Boxberger interessieren, sondern vor allem die damit verbundenen Erinnerungen. „Es sind Zeitzeugen der Vergangenheit, diese gilt es für Museumsbesucher und Nachkommen zugänglich zu machen.“

In den Depoträumen werden über 50.000 im Inventar erfasste Objekte dauerhaft aufbewahrt. Dabei beziehen sich die meisten von ihnen direkt auf Erding oder auf den Landkreis Erding, indem sie etwa dort hergestellt oder genutzt wurden. Somit stellt die Sammlung einen Querschnitt des alltäglichen Erdinger Lebens dar. Hinzu kommen umfangreiche archäologische Fundkomplexe aus über sieben Jahrtausenden Erdinger Geschichte.
Manche der Objekte kennt man noch aus Omas Zeiten, wie etwa einen Bohnenschnitzler, die Flotte Lotte, eine alte Nähmaschine mit Kurbel oder eine Schnurrbartbinde. Hinzu kommen als Sammlungsschwerpunkte sakrale Gegenstände mit Heiligenfiguren, Kunst mit Gemälden und Graphiken oder kunsthandwerkliche Gegenstände wie Schmuck. Auch werden beispielsweise Bücher, Zeitschriften, Fotografien, Filmrollen, Plakate, aber auch Textilien, Möbel, Waffen, Münzen und Musikinstrumente gesammelt. In ihren Regalen warten sie darauf, einmal Teil einer Ausstellung werden zu dürfen und ihre Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen zu können. Somit ist klar, die gesammelten Objekte im Depot bilden die Grundlage der Berechtigung eines Museums - ein Museum ohne sie ist schlichtweg nicht denkbar.

Wer im Museum arbeitet, der muss neben dem Faible für alte Gegenstände selbst auch ihre Einmaligkeit erkennen und Interesse an deren Aussagen haben. Überwiegend arbeiten diese Spezialisten hinter den Kulissen, den Besuchern einer Ausstellung bleibt es meist verborgen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Das Objekt alleine verrät selten etwas, „da muss man sich Quellen suchen und befragen. Manchmal leider auch ohne Ergebnis, weil es einfach nichts gibt“, bedauert Boxberger. Das Rüstzeug für die oft mühevolle Detektivarbeit, woher ein Stück kommt oder was damit gemacht wurde, hat die 36-jährige Straubingerin in Leipzig und Frankfurt (Oder) gelernt und war knapp neun Jahre im Deutschen Historischen Museum in Berlin angestellt. Ihre Leidenschaft gilt der Militärgeschichte, womit sie in Erding und dem Fliegerhorst ja genau richtig ist, und der Kostümkunde. Gleich beim ersten Vorstellungsgespräch im Erdinger Museum habe sie gewusst, dass es sich lohne für diese Stelle zu kämpfen. „Mein erster Eindruck war: Was für ein tolles Museum und was für eine schöne Stadt! Auch dass das Museum durch den Museumsleiter, Harald Krause, so stark in der Öffentlichkeit präsent ist, hat mich sehr beeindruckt. Ich bin mir sicher, hier einen abwechslungsreichen Platz, an dem man auch eigenverantwortlich arbeiten kann, gefunden zu haben“, so Boxberger.
Wirkt sie anfangs zurückhaltend, ja fast schüchtern, dann legt sich dieser Eindruck sehr schnell. Es zeigt sich, dass sie ein ungeheures Maß und Gespür an Sensibilität für die Objekte mitbringt, wenn sie eine Schublade voller „Schätze“ öffnet. Vorsichtig und bedächtig holt sie mit ihren weißen Handschuhen eine Brosche heraus, es ist spürbar, dass es Respekt ist, den sie jedem einzelnem Exponat gegenüber zollt. „Man entdeckt jedes Mal etwas Neues und neue Fragen tun sich auf.“ Deshalb braucht es auch ein Sammlungskonzept, das sie erarbeiten will und in dem überlegt wird, in welche Richtung künftig für das Museum gesammelt werden soll. Dazu müssen grundlegende, gesellschaftliche, politische, soziale Themen und Veränderungen miteinbezogen werden. Das alleinige Aufheben von Dingen sei ja noch kein Wert an sich, niemand hat etwas davon, wenn Objekte zwar vor Schäden geschützt, aber im Museumsdepot unter Verschluss „nur“ für die Ewigkeit bewahrt werden. Vielmehr müssten sich Museen der Aufgabe stellen, zuweilen auch abstrakte und schwer visualisierbar und erfahrbar zu machende Phänomene mit konkreten Dingen zu dokumentieren und darzustellen. „Schließlich verschreibt sich dieses Museum sehr dem Erleben. Das Museum als Ort von Erlebnis und Kommunikation. Das ist eine Richtung, die ich absolut mitgehe.“

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© FRED MAGAZIN Verlag Das Magazin für Erding und die Region