Der Schatz von Oberding

Das Museum Erding ist mit dem Fund der Kupfer-Spangenbarren um eine gewaltige Attraktion reicher. Auch wenn sie nicht funkeln und strahlen, sondern mit viel Grünspan eher unscheinbar aussehen, so suchen sie doch in Deutschland ihresgleichen. Für die Erdinger macht dieser Fund von 800 mit Baumbast zu Zehnerbündeln zusammengefassten Spangenbarren, der seit dem 22. Juli ausgestellt wird, einen Museumsbesuch quasi zu einem Muss. Aber auch für Nicht-Erdinger bietet sich hier die einzigartige Gelegenheit, in die Geschichte 1700 Jahre vor Christus einzutauchen.

 

Als erstes wirft sich die Frage auf, was und für welchen Zweck wurden denn die über 800 Spangenbarren in die Oberdinger Grube gelegt? Spangenbarren galten in der Bronzezeit als Tauschwährung, sie sind genormte Rohmaterialstücke für die Weiterverarbeitung durch Bronzeschmiede oder –gießer, etwa zur Herstellung von Waffen, Schmuck und Gerät. Oder aber, sie waren ein prämonetäres Zahlungsmittel. Auch die in Oberding gefundenen Spangenbarren waren noch nicht mit Zinn zu Bronze legiert, konnten also noch weiterverarbeitet oder eingeschmolzen werden. Der größte, mit über 500 Einzelbarren bisher bekannt gewordene Spangenbarrenhort Südbayerns wurde 1928 im Münchner Luitpoldpark beim Kiesabbau entdeckt. Die Menge, die da in Oberding in einer Nische am Rand einer bronzezeitlichen Abfallgrube niedergelegt war, ist aufgrund seiner Menge einzigartig. Per Zufall kamen sie im Rahmen einer ganz normalen Grabung im Frühjahr 2014 im Zuge eines Bauvorhabens zu Tage. Der eigentlich helle Lössboden zeigte dunkle Verfärbungen einer verfüllten Abfallgrube, bei deren Abtragung die Archäologen eine kleine Nische im Randbereich fanden. Der Inhalt wurde en bloc ausgehoben, die Sensation war perfekt, als die Erde 795 frühbronzezeitliche Spangenbarren aus Fahlerzkupfer freigab.

 

Die Barren wurden von der Stadt Erding gekauft, im Münchner Denkmalamt seit Mai 2015 detailliert und vorsichtig  freigelegt. Übrigens größtenteils finanziert durch die Stadt Erding, die bereitwillig und großzügig Forschungsgelder zur Verfügung gestellt hat. Das Erdinger archäologische Sommersymposium 2017 widmete sich folglich ausschließlich den Spangenbarren, die Ausstellung wird von einem 254 Seiten starken Buch begleitet. Die Ausstellung zeigt die Originale, aber auch die Ergebnisse des Fundes, darüber hinaus gibt sie Einblicke in die Kupfertechnologie der Bronzezeit sowie die Anfänge des Dezimal- und Gewichtssystems. Denn jeder der Barren wiegt zwischen 90 und 120 Gramm, womit pro Barrenpaket rund ein Kilogramm anzusetzen ist. Ein Vorläufer des Dezimalsystems?

 

Für Oberbürgermeister Maximilian Gotz wird mit dem Fund ein weiteres Kapitel der Ortsgeschichte aufgeschlagen. „Gerade in Erding, das von rasantem Wandel und stetem Zuzug von Menschen geprägt ist, ist es wichtig, sich der Vergangenheit, der Wurzeln bewusst zu werden.“ Für Harald Krause, Leiter des Erdinger Museums, ist der Hortfund „der Leuchtturm für das Museum“. Die wissenschaftliche Bedeutung zeigt sich nicht nur an der bereits zahlreichen Fülle wissenschaftlicher Arbeiten sondern auch in einer Anfrage des Martin Gropius Baus in Berlin, der bereits um eine Leihgabe der Spangenbarren für eine europaweite Ausstellung zum Thema „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ bat.
 

 

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