2,5 Millionen Euro für Neubau im Freilichtmuseum

391 Jahre altes Profangebäude als Basis für neuen Bauernmarkt

 

 

Das Areal rund um das Bauernhausmuseum in der Taufkirchener Straße in Erding bekommt ein neues Gesicht. Ein neues Eingangsgebäude, behindertengerechte Toiletten und auch Veranstaltungsräume sollen entstehen, der Bauernmarkt umziehen. Beim Konzept des neuen Gebäudes wird nach dem Motto „mit alt mach neu“ verfahren, damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.
 

Bauernmarkt kann so wie jetzt nicht weitermachen

Zum einen geht es um das alte Bauernhaus in Pesenlern aus dem Jahr 1627. Es ist das älteste Profangebäude im Erdinger Landkreis und das letzte dieser Bauart in Süddeustchland. „Profan“ bedeutet, dass es keine kirchliche Bedeutung hatte, sondern weltlichen Zwecken diente. Bereits im Juni 2016 beantragte die CSU-Kreistagsfraktion, das sich in der Marktgemeinde Wartenberg befindliche Gebäude zu retten, vor allem das einzigartige Frackdach, eine Sonderform eines Satteldaches, wo das Dachgeschoß auf einer Seite fehlt. Ein Abriss des mittlerweile stark zerfallenen Gebäudes kam laut Landrat Martin Bayerstorfer nicht in Frage, da das Landesamt für Denkmalschutz mit einer Rückzahlung von Zuschüssen drohen könnte.  
Auf der anderen Seite sucht man im Kreis bereits seit Jahren nach einem Konzept für den Bauernmarkt. „Seit etwa zehn Jahren überlegen wir uns eine Lösung“, sagte Kreisrat Thomas Schreder (CSU), „wir brauchen dort endlich Toiletten und diese eben auch behindertengerecht.“ Bayerstorfer verwies zudem auf die hygienischen Anforderungen, denen im bisherigen Stad nur schwer gerecht werden könnte. „Der Bauernmarkt kann ohne Sanierung oder Umbau nicht weiter existieren“, brachte er es auf den Punkt.

Ein bißchen alt und viel neu
Die Lösung beider Probleme heißt „Translozierung“: Zimmerer Franz Anger, ein Spezialist für solche historischen Abbauten, zerlegte mit seinem Team das Gebäude in Pesenlern. Balken, Fenster, Türen und Böden, die noch verwendbar sind, wurden peinlichst genau fotografiert, wo sie bisher verbaut waren, dann nummeriert und nach Erding gebracht. Später werden sie im neuen Gebäude verbaut. Damit werden auch die Auflagen gemäß des Erdinger Bebauungsplans erfüllt, „der an dieser Stelle nur etwas Historisches vorsieht“, so Bayerstorfer.
In Summe sind hierfür 2,5 Millionen Euro kalkuliert - doch da kommt als dritte Komponente bei dem ganzen Unterfangen der neue Kreishaushalt hinzu. Die Ankündigung, die Kreisumlage auf 54,6 Prozentpunkte anzuheben, ein Plus von 6,3 Prozentpunkten oder 22 Millionen Euro, dazu sehen sich zahlreiche Bürgermeister nicht mehr in der Lage. Um unter 50 Prozentpunkte zu kommen, „müssen wir rund zehn Millionen Euro einsparen“, rechnete Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) vor. „Gerade beim Bauernhausmuseum sehen wir eine Spar-Möglichkeit, nämlich dieses Projekt in das Jahr 2020/21 zu schieben“, schlug Ulla Diekmann (SPD) vor. Mit diesem Antrag fand sie nur noch bei Günther Kuhn (Grüne) einen Sympathisanten, der in der „Translozierung“ eine Täuschung der Öffentlichkeit dahingehend sah, „dass man nur wenige Teile des denkmalgeschützten Hauses verwendet. Hier wäre ein anderes historisches Gebäude vielleicht besser gewesen.“ Wartenbergs Bürgermeister Manfred Ranft (FW) sprach sich zwar strikt gegen eine Translozierung aus, „da gibt es nicht viel, was es zu erhalten wert ist“, stimmte jedoch für den Neubau des Bauernhausmuseums.

 

Bauernmarkt nur so zu retten
Wie dieser Neubau aussehen könnte stellte Architekt Udo Rieder vor. Gebaut werden soll östlich von Kegelbahn und Bienenhaus, wohin sich somit auch der Eingangsbereich verlagert. Im Erdgeschoss gibt es dann behindertengerechte Toiletten, Büro, Arbeits- und Sozialräume sowie einen Kiosk, im angebauten Stadel soll künftig der Bauernmarkt untergebracht werden. Im Obergeschoss werden die Balken aus Pesenlern verbaut, mit einer Galerie und einem offenen Stadelcharakter. Der Laubengang, wie man ihn von dem historischen Gebäude kennt, soll auch in Erding dann wieder nachgebaut werden. „Wie genau die Fassaden und auch Befensterungen letztlich aussehen, das ist noch variabel“, so Rieder. Da das Gros des Gebäudes neu gebaut werde, entfalle der Denkmalschutz, „und wir sind wesentlich freier in der Gestaltung.“


 

Kasten

Auf dem heutigen Gelände des Freilichtmuseums stehen 14 Gebäude als Architekturexponate, sind zudem  über 3200 Objekte gesammelt. Die Hälfte davon, das reicht vom landwirtschaftlichen Gerät und Werkzeug bis zum Wohninventar, liegt jedoch im Lager oder irgendwo auf dem Gelände. Für ein echtes Museum wäre es daher wesentlich, nicht nur neu zu bauen, sondern die Sammlung auch komplett zu erfassen

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