„Magst mal mitmachen beim Schlammlauf?“

Erster deutscher OCR-Club eröffnet Trainingsgelände

 

 

OCR, das steht für „Obstacle Course Race“, das sind anspruchsvolle Hindernisläufe. Was früher der „Höhepunkt“ eines jeden Wehrpflichtigen kurz vor dem Wochenende war, der Ritt über die Hindernisbahn, das ist heute ein Sport für Fitte und Leidensfähige. In Kirchheim bei München wurde nun im ersten deutschen OCR-Club eine Trainingsbahn eröffnet. Die Hindernisse, wie etwa den „Schrecklichen Sven“ oder den „Weaver“ haben sich die 80 Aktiven selbst zusammengezimmert.

 

OCR stammt auch ursprünglich von der militärischen Ausbildung: laufen, klettern, schwimmen, tauchen, schwere Gerätschaften ziehen, tragen und wälzen – bei jeder Temperatur, Wind und Wetter. Am liebsten durch tiefen Schlamm oder in schwindelnder Höhe. „Zur Sportart umfunktioniert wurde OCR in England, der erste Wettkampf war das „Tough Guy“ in Wolverhampton im Jahr 1986, das seither immer am letzten Sonntag im Januar stattfand“, berichtet Uwe Kantz (41), Vorsitzender des ersten deutschen OCR-Clubs. Die Mitglieder stammen aus dem großen Umkreis von München. „Mit diesem tollen Trainingsgelände hoffen wir, dass es jetzt noch deutlich mehr werden, die hier mit uns bei jedem Wetter trainieren wollen“, sagt Sven Lagreze (37). Er ist der Erfinder und Namensgeber für das Hindernis „Der Schreckliche Sven“, eine 13 Meter lange Holzkonstruktion, zwischen deren seitlichen Balken sich Seile (Rope Swings), Ringe, nach unten hängende Stäbe (Nunchakos) und quer montierte Metallstangen (Monkeybars) in verschiedenen Abständen in drei bis fünf Meter Höhe befinden. An denen müssen sich die Sportler entlanghangeln und vorwärts bewegen. „Der krönende Abschluss ist die „Salmon Ladder“, dabei wird eine Metallstange mit beiden Händen festgehalten, als wenn man Klimmzüge macht. Frei in der Luft hängend versucht man die Stange durch eine Aufwärtsbewegung in die nächsthöhere Stufe einzuhaken. Wer herunterfällt oder ein Hindernis nicht besteht, der muss 30 Burpees machen“, erklärt Kantz. Ein „Burpee“ ist eine schnelle Kombination von ganz tiefen Liegestützen und Strecksprüngen – wie alles im OCR-Sport mit englischer Bezeichnung.

 

Kantz und seine OCR-Freunde, etwa ein Drittel davon sind Damen, suchten ein Trainingsgelände für Extremhindernisläufe im Münchner Umland. Die Gemeinde Kirchheim hat dem Verein einen ehemaligen Mountainbike-Parcours günstig verpachtet. Seit März wurde an den Hindernissen geplant und gebaut. „Alle sind selbstverständlich vom TÜV abgenommen und zudem höher als 1,20 Meter, dass Kinder nicht darauf herumturnen können. Auf allen anderen steht Benutzung auf eigene Gefahr. Die hohen Seile ziehen wir abends nach oben weg, dass keiner auf die Idee kommt, das alleine, einfach mal so auszuprobieren“, sagt Sven Lagreze. Er war früher Turner, Trampolinspringer und Leichtathlet, bevor ihn ein Kumpel fragte: „Magst mal mitkommen zum Schlammlauf?“. Seither hat ihn das Fieber gepackt, er bestreitet jedes Jahr 20 bis 30 Rennen in Deutschland, aber auch quer durch Europa, die WM war heuer in Kanada.

Lagreze führt „seinen“ Parcours vor: Über den „Weaver“, das sind dicke, quer montierte Holzstämme, weiter über eine Balancier-Strecke auf dünnen, in den Boden vergrabene Stäbe, mächtige Traktor-Reifen, bis zu 90 Kilo schwer, einen Hügel hinaufrollen, Seile hochklettern, durch freischwingende Seilschleifen vorwärtskommen, an Holzbalken klammern, über Wände klettern - und dann kommt der Schreckliche Sven.

 

„Wenn einer neu anfängt, erklären wir ihm oder ihr alles in kleinen Schritten. OCR ist zudem der perfekte Team-Sport, bei dem man sich gegenseitig hilft“, sagt Uwe Kantz. Montags ist ab 18.30 Uhr Training, sie haben immer auch Schweinwerfer dabei, dass man etwas sieht. „Da wir bei Wind und Wetter draußen sind, ist von uns fast nie mehr einer krank – und fit sind wir sowieso!“

 

Mehr Infos: www.ocr-munich.de

 

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