Erster Bayerischer Hanfbauerntag in Hallbergmoos

Großes Interesse an der ältesten Kulturpflanze der Welt

 

 

Wer heute „Hanf“  hört, der denkt fast immer zuerst an die böse Droge. Der Anbau der Pflanze war ja auch annähernd weltweit für 60 Jahre verboten. Erst seit den 90er-Jahren erinnert man sich – mit Pflanzen ohne berauschende Wirkung - an die unglaublichen Möglichkeiten, die der „Cannabis“ bietet: als Bau- und Dämmstoff, zur Herstellung von Papier, Seilen und Kleidung, als gesunder Lebensmittelzusatz, als Medizin – und nicht zuletzt als perfekte ökologische Pflanze für unsere Umwelt, die ohne Spritzmittel und Dünger extrem schnell wächst und dabei Mineralien aus sehr tiefen Erdschichten nach oben holt. Auf dem Hausler-Hof in Hallbergmoos trafen sich Ende Januar fast 200 Landwirte und Interessenten, die „den Hanf in Bayern deutlich voran bringen wollen“, sagte Uta Stechl, Verantwortliche des Vereins Hanfinitiative Bayern.

 

Hanf-Historie

Hanf, als Verwandte der Brennessel, gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen dieser Welt und wurde in China bereits schon vor 10 000 Jahren zu unterschiedlichsten Zwecken genutzt. Sie lieferten nicht nur sehr wohlschmeckende oder  nahrhafte Samen, sondern auch Stängel mit dessen Fasern sich so einiges anstellen lies. Und auch die medizinischen Vorteile konnte man bereits weit vor Christus erkennen und erfolgreich einsetzen. Der Hanf war so vielfältig einsetzbar, dass man diesen regelrecht vergötterte und sogar bei Zeremonien als Schutz gegen das Böse anwandte. Der Nutzhanf ist bis heute eine sehr wertvolle Pflanze: Menschen in Indien, Irak, Griechenland und anderen Teilen Europas kleiden sich mit Hanf, nutzen es zum Kochen oder Backen und erfreuten sich an der positiven Wirkung.

Doch seit den 1930-er Jahren galt die Hanfpflanze als reine „Drogenpflanze“ ihr Anbau war in Deutschland bis 1969 strikt untersagt. Auch heute noch wird ganz genau überwacht, dass nur Hanfsorten ohne berauschende Wirkung angebaut werden. Doch weltweit steigt die Fläche von Nutzhanf kontinuierlich, auch in Bayern soll diese Entwicklung nun spürbar werden.

 

Hanf wächst sehr schnell und gehört zu den anspruchsloseren Pflanzen, kann Hanf so ziemlich in allen Regionen angebaut werden. Ein gemäßigtes Klima und Gebiete mit viel Wasser werden allerdings bevorzugt. Nach nur 100 Tagen können Hanfpflanzen um bis zu 4 Meter geerntet werden – ebenso tief ist dann die Wurzel, die also den Boden tief lockert und Mineralien aus tiefen Schichten hochholt – also ideal geeignet ist für überdüngte oder versalzene Böden. Hanf wird zudem von Bienen geliebt! Die natürliche Widerstandsfähigkeit schützt die Pflanze vor so fast allen Krankheiten und macht sie unanfällig für Schädlinge. Hanf wächst als männliche und weibliche Pflanze, wobei die weiblichen meist größer sind.

 

Viele Artikel können mithilfe von Hanf hergestellt oder angereichert werden. Dabei werden verschiedene Teile der Pflanze unterschiedlich genutzt: Hanfsamen schmeckt sehr lecker und ist gesund sind. Man kann daraus Öl pressen, die Samenreste eignen sich nach der Pressung als Futtermittel für die Viehzucht. Hanffasern sind bekannt für ihre Langlebigkeit, sie sind schädlingsresistent und eignen sich für sämtliche Dämmstoffe, etwa beim Hausbau. Auch Textilien und Papier sind Anwendungsgebiete der Hanffasern. Die Fasern werden dabei durch Brechen und Wälzen der Stängel vom Rest der Pflanze getrennt. So entstehen grobe Fliesen oder feinster Zellstoff. Schäben sind die Reste der verholzten Pflanzenteile, welche sich nicht mehr für die Fasergewinnung eignen. Die Schäben finden vor allem als Tiereinstreu Verwendung, Pferde lieben dieses Einstreu besonders wegen seiner guten Speicherfähigkeiten, Besitzer wiederum schätzen die leichte Kompostierbarkeit. Aus den Blättern wird ätherisches Hanföl hergestellt, die Wasserdampfdestillate finden dann als Geschmacksstoffe in Lebensmitteln oder als Geruchsstoff Waschmitteln Verwendung.

 

Pflanzen wie Hanf sind bei der Verwendung als Energielieferant CO – neutral und erzeugen bei der Verbrennung nur so viel des Treibhausgases, wie die Pflanze während des Wachstums aufgenommen hat. 2,5 kg Biomasse aus Hanfstroh entspricht 1 Kilogramm Heizöl, jeder Hektar Hanffeld also etwa 4 Tonnen Öl.

Auch für die Produktion von Biodiesel eignen sich Hanfsamen. Sie benötigen im Vergleich zum Raps weit weniger Arbeit, es werden kaum Chemikalien notwendig sein und auch die Aufzuchtzeit ist kürzer. Nutzhanf könnte auch den großen Holzbedarf für die Papierproduktion ersetzen. Auf bislang stillgelegten Flächen könnte er als Papierrohstoff angebaut werden.

 

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