Kopfschüttelfrost

Stiller Protest gegen Abholzung zerstört

 

 

bb - Dürfen Kinder und Jugendliche, die sich beim Bund Naturschutz engagieren, für den Erhalt von Straßenbäumen kämpfen? Ja, natürlich! Auch wenn an so einem Baum vor fünf Jahren ein junger Mann ums Leben kam – weil sein Kumpel, der fuhr, mit extrem überhöhter Geschwindigkeit von Notzing nach Moosinning raste? Ja, trotzdem! Ist etwa der Baum schuld, wenn sich Autofahrer zu Tode rasen?

 

Im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 wurden über 20 besonders wertvolle alte Mehlbeeren an der Freisinger Straße zwischen Moosinning und Notzing gefällt. Eine vernünftige Begründung, warum dies stattfand, konnte das Straßenbauamt nicht liefern. Der Grund kann heute ja wohl kaum noch im Unfall vor fünf Jahren liegen, bei dem nicht nur der junge Bursche aus Ismaning starb, sondern auch vier seiner Kumpels schwer verletzt wurden. Etwa ein halbes Jahr später sägte ein Unbekannter sogar den Baum um!

 

Jedenfalls wollten die BUND-Jugendgruppen „Parkranger Erding“ und „Frechdachse Oberding“ den „Maßnahmen zur Verkehrssicherung“ der Straßenämter, denen regelmäßig Bäume zum Opfer fallen, etwas entgegensetzen. In ihrer Pressemitteilung schreiben sie, dass sie durch das Verhalten der Abholzer manchmal das Gefühl haben, aggressive Straßenbäume würden den Menschen ihren Lebensraum streitig machen. Das Gegenteil sei jedoch der Fall: Straßenbäume filterten den Dreck der Autos aus der Luft, sie dämpften die reflektierte Hitze und spendeten Schatten. „Bäume und Pflanzen sind diejenigen, die dem Klimawandel aktiv entgegentreten und sie verschönern die schrecklichen grauen Bänder, die wir durch die Landschaft legen und bereiten Insekten, Kleinsäugern und Vögeln letzte Refugien in der oft ausgeräumten Landschaft“, schreibt Sabine Lanzner, eine der Inititiatoren. Wenn nur der geringste Verdacht aufkomme, dass sich ein Autofahrer an einem Baum zu Tode rasen könnte, muss der Baum weichen. Den Autofahrer zu bremsen oder Schutzmaßnahmen anzubringen, die beide retten könnten, sei offenbar unzumutbar.

 

Die BUND-Nachwuchs-Naturschützer fordern deshalb einen konsequenteren Baumschutz im Landkreis Erding. Sie bastelten symbolisch für jeden gefällten Baum an der ED 5 ein bemaltes und verziertes Marterl, die sie an die Baumstümpfe aufstellten.

Aber nicht einmal einen ganzen Tag konnten die Gegner dieser Aktion leben und rissen sämtliche kleine Holzkreuze und warfen sie anschließend ins Wäldchen an der Straße nach Kempfing.

Bei den jungen Parkrangern blieb da nur ein Kopfschütteln. „Auch wir sind Autofahrer, Motorradfahrer, Eltern und Angehörige oder Freunde von Menschen, die im Straßenverkehr umgekommen sind und trauern um jedes Opfer. Aber die Opfer sind Opfer des Straßenverkehrs und nicht Opfer von Bäumen. Wenn Unfälle an Brückenpfeilern passieren, werden auch nicht die Brücken dafür verantwortlich gemacht!“

 

So demonstrierten die testosterongesteuerten PS-Ritter der Naturschutz-Jugend deutlich, was heute auf den Straßen wirklich zählt: das Recht des Stärkeren. Wer mehr PS hat, gewinnt. Wenn ein Baum, ein Biotop, ein Dorf im Weg stehen, dann müssen die weg. Wer sich friedlich für die Natur – gar noch für Bienen, Bäume, Sträucher oder kleine Seen einsetzt, der ein Spinner, ein Gutmensch, ein Öko-Faschist.

„Vielleicht gab es ja auch einen ganz anderen Beweggrund, den werden wir wohl nie erfahren werden“, sagen die jungen Naturschützer.

 

 

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