„Der kürzeste Weg zur Gesundheit führt in den eigenen Garten!“

Der Kräuterwastl gibt Ratschläge

 

Mit einem lauten „Juhuii“, gefolgt von einem zünftigen Jodler betritt er den brechend vollen Saal in Moosen. „I bin der Wastl und i gfrei mir, dass i bei eich sei derf!“ stellt er sich vor, der Sebastian Viellechner (72). Bairisches Urvieh, Holzknecht, ausgebildeter Kräuterpädagoge, zorniger Philosoph und Ratgeber. Der Kräuterwastl!

 

Vier Mal holte ihn die VR Bank Taufkirchen-Dorfen zu Vorträgen – alle waren rappelvoll. „Wir mussten sogar vielen absagen, so groß war das Interesse“, berichtet VR-Bank-Marketingleiter Isidor Wegmann. Der Wastl war Wegmanns letzter Akt vor der Rente, und der ist ihm wirklich gelungen. Auch so kann man etwas für die Kundenbindung tun.

Seit seiner Kindheit in Weyarn an der Mangfall, zwischen Miesbach und Holzkirchen, ist Sebastian Viellechner tief mit der Natur verwurzelt. Er macht Kräuterwanderungen, aber vor allem verarbeitet seine gesammelten Kräuter zu Salben, Tees und Tinkturen. Er erzählt über die fast unendliche Anzahl an Pflanzen, er zeigt sie, erklärt die Inhaltsstoffe, gegen oder für was sie wirken, stellt daraus frische Salate, Öle oder Suppen her. Direkt aus der Natur, schmackhaft zubereitet und frisch gegessen, das ist Balsam für Wastls Körper, Geist und Seele.

Seine Vorträge sind eine show: urbairisch mit ein bisschen Hochdeutsch, gerne ein paar Brocken Italienisch oder Latein. Mit seinen Ratschlägen, Zubereitungs- und Aufbewahrungsarten sowie den besten Fundstellen und Sammelzeiten springt er oft hin und her zwischen Tipps, Erlebtem oder was ihn ärgert. Immer wieder singt er lauthals ein paar Strophen. Der Mann ist ein Erlebnis. Ein Natur-Ereignis.

Dazwischen, nicht zu knapp, seine philosophischen Empfehlungen: Fertiggerichte, speziell Fertigpizzas und Teebeutel - für ihn der größte Müll! Nicht Geld macht glücklich, sondern nur die Gesundheit, ist die erst mal weg, kann man sie kaum wieder holen! Die großen Discounter: nichts als Sondermülldeponien, die uns krank machen und dabei selber reich werden! Plastik: Es gibt nichts Schlimmeres, vor allem, wenn darin gutes Wasser ist, die Weichmacher durch die Sonne ins Wasser wandern und wir krank werden! Billiges Industrie-Raps-/Sonnenblumen-/Distel-Öl, der Liter für 99 Cent – das ist aus seiner Sicht der letzte Dreck aus Schalen gepresst. Jedes Auto bekommt teureres Öl! Doch das größte Verbrechen, das es für ihn gibt: Das Wegschmeißen von Lebensmitteln! Harte Aussagen, aber er steht dazu. Er lebt es selbst vor, verkörpert das, was er sagt.

 

Natürlich überwiegen bei seinem kurzweiligen und hochinteressanten Vortrag die Ratschläge, was jeder von uns alles im eigenen Garten, auf der Fensterbank, im Wald oder auf der Wiese finden kann und was uns gut tut. „Denn zu jeder Krankheit ist mindestens ein Kräutlein gewachsen, fast immer viele“, ist der Wastl sicher. An erster Stelle steht für ihn das Wasser – am besten direkt geschöpft aus einer Quelle und auf keinen Fall in Plastik abgefüllt. Ganz wichtig: Bruder Baum! Die Bäume (speziell Birke, Linde und Fichte („Die Feichtn, mein Daxbaum“) haben es ihm angetan: Mit dem Rücken an den Stamm gelehnt sammelt er Energie und Kräfte, pflückt Triebe, junge Blätter und zapft Säfte, die setzt er dann im Dienste der Gesundheit ein. Natürlich seine unzähligen Kräuter, Gräser, Büsche und Früchte, die er auf den Spaziergängen entlang der Mangfall oder bei seiner fast täglichen Wald-Arbeit findet. Einiges kennt man, vieles ist neu, manches hört sich unglaublich an. „Ich war seit 45 Jahren nicht mehr krank, bin jeden Tag im Holz und der Natur und ernähre mich von dem, was ich hier finde, zudem von ehrlichem Fleisch und Fisch sowie dem, was die Bauern der Region anbauen!“

 

Kasten 1

„Man kann jeden Menschen in seiner Umgebung anlügen. Aber seinen eigenen Körper nicht! Irgendwann schlägt der zurück – und wenn man dann nicht reagiert und spätestens jetzt etwas ändert, dann ist es oft zu spät! Der Körper sagt uns, was er will: Hunger, Durst, Müdigkeit, frische Luft. Da will er keine Tablette – auch wenn der Verstand sagt, ich kann mir jetzt keine Pause leisten!“

 

Kasten 2

„Der Darm ist unser zweites Gehirn! Wer sich richtig und gesund ernährt, der bleibt auch im Alter gesund. Alzheimer kommt vor allem vom Darm!“

„Eine Stunde täglich im Wald, beim Doktor Wald – das hält uns gesund!“

„Bitteres im Mund – im Magen gesund!“

 

Kasten 3

Knoblauch: Wastls Wunderwaffe, die gegen fast alle Krankheiten hilft.

Linde: Blüte (als Tee) oder Blätter (als Salat) helfen bei Erkältungen, aber auch, dass man keine bekommt.

Äpfel und Brot: So lange wie möglich kauen, dass der Darm sich darauf einstellen kann – nicht Smoothies.

Kümmel: Als Tee, im Essen, als Öl, Likör oder gekaut: perfekt gegen jegliche Magen- und Darmprobleme.

Zinnkraut/Ackerschachtelhalm: Reinigt als Tee die Milz (und das Blut).

Sämtliche Bitterstoffe: Ganz wichtig zur Reinigung der Leber (Löwenzahn, Schafgarbe, Enzian, Wermut, Endivien, Chicoree, Estragon, Beifuß, Salbei).

Löwenzahn: Völlig unterschätzte Pflanze, löst Giftstoffe, kein Teil ist giftig: Knospen sind wie Kapern, Salat aus Blättern und Stengeln, Tee aus der Wurzel.

Brennessel: Die Pflanze schlechthin zur Nierenreinigung, als Suppe, Salat und Tee.

Schafgarbe: Desinfiziert, reduziert Schmerzen, optimiert Verdauung, schützt den Darm.

Hagebutte: Exzellent zur Verhinderung von Erkältungen, auch als Hustenlöser – und zwar getrocknete Schalen und Kerne!

Schlehe: getrocknet und als Tee gegen Blasenschwäche, als Likör.

 

 

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