Es geht um die Biene und noch viel mehr

Volksbegehren Artenvielfalt

 

Die Biene ist das Symboltier für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ – die Möglichkeit zur echten Mitmach-Demokratie greift jedoch noch viel weiter: „Es geht um den Erhalt des Lebensgeflechts!“, betonte der ehemalige Landesvorsitzende der ÖDP, Bernhard Suttner, der auf Einladung von Stephan Treffler (ödp) nach Erding gekommen war. „Es geht um die Neufassung und Verbesserung des baierischen Naturschutzgesetztes“, so Suttner, „mit dem Ziel, den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt in Bayern zu bremsen oder gar umzukehren.“
 

Klein aber oho
Die ödp, die aus der Landtagswahl mit „nur“ knapp über 210.000 Stimmen herausging, ist nun auf einen weitaus größeren Brocken aus: Eine Million Bayern wollen sie zur Stimmabgabe für das von ihnen initiierte „Volksbegehren Artenvielfalt“ an die Urnen bringen. Viele Gespräche mit Fachleuten und Wissenschaftler gingen dem Volksbegehren voran, das seit November vergangenen Jahres richtig an Fahrt aufnahm, als das bayerische Innenministerium das Volksbegehren als zulässig anerkannte. „Ich hatte Freudentränen in den Augen“, erinnert sich Suttner.
Nun gilt es, eine schwere Hürde zu nehmen, nämlich in 14 Tagen, vom 31 Januar bis 13. Februar, müssen sich zehn Prozent der Wahlberechtigten in Bayern für das Volksbegehren in ihren Rathäusern unter Vorlage des Ausweises eintragen. „Eine Millionen Stimmen, das ist eine immense Herausforderung“, betont Treffler. „Aber der Bürger hat es in der Hand, hier ein Gesetz zu machen!“ Mittlerweile ist die ödp längst nicht mehr alleine: die Grünen, die Bayern-SPD, der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz, Imkern, Biobauern und viele lokale Initiativen wie Slow Food München, die Regionalvermarkter, die Ornithologische Gesellschaft Bayerns unterstützen das Begehren – und jeden Tag kommen mehr Aktionsbündnisse hinzu. Gerade sie sind es, die Plakate aufhängen, Flyer verteilen und die Wahlberechtigten vor Ort mobilisieren.


 

Die Süsse

Die Biene wurde als Symbolfigur für das Volksbegehren gewählt, sie ist sympathisch, man verbindet damit Honig und Süsses. Natürlich geht es nicht nur um sie, sondern um den Stopp des Rückgangs von Insekten, Schmetterlingen, Kräutern, Pflanzen und Vögeln gleichermaßen. Das Volksbegehren trägt daher auch den vollen Titel „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen!“

„Für viele ist die Welt noch in Ordnung, wenn am Morgen die Amsel singt, am Autobahnrand ein Bussard gesichtet und aus dem Intercity ein Reh gesehen wird", so der Nürnberger Naturschützer Hubert Weiger. „Von den 506 in Bayern heimischen Wildbienen sind 40 nicht mehr da, quasi ausgestorben, der Rest in seinem Überleben immens gefährdet. „Die Wildbiene hat von der Baumblüte bis Mitte des Sommers keine Nahrung mehr, da es so gut wie keine Blühwiesen mehr gibt. Die blühende Flachlandmähwiese aus früheren Zeiten, gibt es nicht mehr, sie wird aufgrund der Silage-Erzeugung mehrmals früh und oft gemäht“, erläutert Suttner. Die Honigbiene habe es etwas besser, sie werde mit Zuckerwasser-Fütterungen von den Imkern vor dem Verhungern bewahrt.

So viele ist schon verloren
Unbestritten ist, dass das Arten-Aussterben eine Warnlampe eines nicht mehr funktionierenden Ökosystems ist.  Der Naturschutz ist ein eigentlich junger Begriff, Ernst Rudorff hat ihn erst im Jahr 1897 geprägt. Annähernd 100 Verbände kümmern sich mittlerweile um bedrohte Kröten, Kiebitze, gefährdete Kräuter, Obere, Mittlere und Untere und Naturschutzbehörden wachen über die Einhaltung von Beständen, es werden Baumschutzverordnungen erlassen, unzählige Freiwillige putzen ölverschmierte Strände wie etwa nach dem Tankerunglück der Exxon Valdzes. Vor dem Fernseher treibt es uns die Tränen in die Augen, wenn verhungernde Eisbären auf ihren Schollen sterben, dabei darf uns nicht entgehen, was sich in unseren Gärten, auf den Feldern unserer unmittelbaren Natur abspielt. 41 der 93 heimischen Säuger wie Biber, Otter, Luchs, Steinbock oder die Fledermaus sind bald ausgestorben gestorben. Das Wisent, der Auerochse und das Wildpferd sind schon perdu. Von den 238 Vogelarten sind acht Prozent bereits verloren, 36 Prozent mit Uhu, Kolkrabe, Klapperstorch stehen auf der „Roten Liste“. In einigen Bundesländern übrigens auch der Karpfen und die Bachforelle. Ein Schmetterlingsforscher aus München geht davon aus, dass „sein Forschungsgebiet ausstirbt.“ Deutschland binnen weniger Jahrzehnte drei Viertel der Fluginsekten komplett verschwunden sind, seit Jahren brauchen wir im Sommer das gelbe harte Putzschwämmchen nicht mehr, mit dem man noch vor 20 Jahren mehrmals die Woche die Frontscheibe des Autos putzen musste.


 

Die Ziele des Volksentscheids
Wenn die Initiative erfolgreich ist, wird es eine ganze Reihe an Verbesserungen für den Naturschutz geben, ist sich Suttner sicher. Die Hauptanliegen seien klar formuliert:

- eine bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere,
- blühende, möglichst fünf Meter breite Randstreifen an allen Bächen und Gräben sowie den Erhalt von Hecken, Bäumen und kleinen Gewässern in der Landwirtschaft, um so wieder für heimische Pflanzen und Tiere zerstörte Lebensräume aufzubauen.
- Zehn Prozent aller Wiesen sollen wieder zu Blühwiesen werden, die Mahd auf zehn Prozent der Flächen erst nach dem 15. Juni stattfinden,
- bis 2020 alle staatlichen Flächen pestizidfrei sein. Experten zufolge ist es in allererster Linie die moderne Landwirtschaft mit ihrem massenhaften Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und den immer größeren Äckern und Monokulturen, die für den Artenschwund verantwortlich ist.
- Die ökologische Landwirtschaft muss massiv ausgebaut werden, bis 2030 müssen es 30 Prozent sein, heute sind es acht. Dazu braucht es aber überzeugende Angebote für die Landwirte, die sich auch ökonomisch rechnen. Sie dürfen nicht im Unsicheren gelassen werden, ihnen muss

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