Wir wollen keine Subventionen, sondern Akzeptanz

1500 Schlepper auf dem Odeonsplatz, über 200 Jungbauern in Eibach beim Treffen mit Landrat
Martin Bayerstorfer und dem Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz, beide CSU. Die Jungbau-ern aus dem Landkreis organisieren sich gegen die in ihren Augen unfairen Angriffe aus den Medien und der Bevölkerung, aber auch gegen Untätigkeit und Unfähigkeit in den bairischen
wie Bundes-Behörden. Sie organisieren sich gegen die Devise des Bauernverbands „Wachse oder weiche“ sowie den Irrglauben, bairische Bauern müssten für den Weltmarkt produzieren. Dieser neue, starke Protest, organisiert über soziale Medien, richtet sich unter anderem auch klar
gegen die CSU.
Da staunten selbst Bayerstorfer und Lenz, wie gefüllt das Gasthaus Mayer in Eibach war mit jungen Landwirten. Die beiden CSU-Politiker waren sichtlich irritiert über gerade mal höf-
lichen Applaus sowie die deutliche Kritik an den Landwirtschafts-Ministerinnen Kaniber (Bayern) und Glöckner (Bund). Bisher waren die Landwirte doch eine „gmah’de Wies’n“ für die Christsozialen. Doch Michael Hamburger und Sabine Berger („Landwirtschaft im Landkreis Er-
ding“) sowie Mathias Lohmeier vom „Bund der Milchviehhalter“ (BDM), der in deutlicher Gegenposition zum Bauernverband steht, überzeugten mit prägnanten Fragen, Vorwürfen
und Wünschen die Jungbauern.

 

STATEMENTS
»Die Hunde bellen laut – und dann zieht die Karawane weiter. Das darf so nicht passieren!« (Hamburger)

»Der Milchpreis ist heute so hoch wie vor 30 Jahren, gleichzeitig gibt es ein großes Überangebot. Alles hat sich seither deutlich verteuert, nur nicht der Lohn für unsere Arbeit. Wie
sollen wir da überleben?« (Lohmeier)

»Die Reglementierungen aus Brüssel gegen uns Bauern steigen ständig, immer mehr NGOs machen Stimmung gegen uns, für Verbraucher und Medien sind wir Feinde – das muss sich ändern!« (Hamburger)

»Glyphosat ist das sicherste und am besten untersuchte Pflanzenschutzmittel, wenn es korrekt angewendet wird. Wir brauchen es dringend, es gibt keinen belegten Krebs-Fall durch
Glyphosat.« (Berger)

»Wir wollen keine Subvention für unsere Höfe oder unsere Milch – wir brauchen faire Preise, die wir durch eine Mengenreduktion einfach erreichen könnten – die Großbetriebe sind da aber unsolidarisch.« (Lohmeier)

»Die erst vor zwei Jahren beschlossene Düngeverordnung wird schon wieder verschärft, ohne neue Ergebnisse zu haben.Warum? Das ist reine Schikane.« (Hamburger)
»Im Landkreis Erding hat sich die Anzahl der Milchbauern in den letzten zehn Jahren halbiert – das geht so weiter. Wollen wir nur noch Milch aus dem Ausland oder Norddeutschland?« (Lohmeier)
» Viel zu viele Laien, die keine Ahnung haben, wollen uns Landwirten, mit einer fundierten Ausbildung sagen, wie Landwirtschaft funktioniert.« (Berger)
»Die Landwirtschaft ist doch die Basis für unsere Gesellschaft, wir erzeugen hervorragende Lebensmittel für die Bürger. Doch die Erlöse dafür sinken immer mehr!« (Hamburger)
»Wenn das Bauernsterben so weitergeht wie in den letzten Jahren – über 5000 Betriebe schließen jedes Jahr - sind es 2040 über 100.000 weniger. Wer soll dann das Volk ernähren?« (Berger)
»Es gibt ja ein Instrumentarium, um den Milchpreis auf europäischer Ebene zu stabilisieren. Dessen Einsatz verhindert aber der Deutsche Bauernverband ebenso wie die deutsche
Regierung.« (Lohmeier)
»Wir sind gerne Naturschützer, erzeugen Humus und Moore als CO2-Speicher, legen Blüh-flächen für Insekten an, machen Artenschutz, bauen Pflanzen an, die wenig Pflanzenschutz benötigen, kümmern uns um das Wohl unserer Tiere und ums Klima und erzeugen Lebensmittel
– aber nicht auf unsere Kosten. Wir brauchen verlässliche Vorgaben aus Brüssel, Berlin und München. Die fehlen total!« (Hamburger)

FACHMANN LENZ?
Andreas Lenz betonte, dass auch er aus einer Landwirtschaft stamme, daher die Probleme gut kenne. „Es ist im Moment schlimm, welche schlechte Stimmung zwischen Landwirten und Verbrauchern herrscht, viele Kinder wollen nicht den Hof der Eltern übernehmen oder Land-
wirt lernen. Gleichzeitig haben die Landwirte kein Vertrauen mehr in die Politik und ich muss leider zugeben, dass die Bundesministerin in vielen Punkten keine Kompetenz zeigt im Gegensatz zur bairischen Kollegin Kaniber“, sagte Lenz. Die Proteste der vergangenen Wochen
bezeichnete er als „toll“, man habe daraufhin im Kabinett „zwei Stunden über die Situation der Landwirtschaft gesprochen.“ Dies veranlasste einen Junglandwirt zum heftig beklatschten Kommentar, das sei doch wohl kein Grund zur Freude „sondern ein Armutszeugnis, dass ihr gerade Mal zwei Stunden über so viele Probleme redet!“

Die Medien führen gemeinsam mit vielen NGOs große Kampagnen gegen die Landwirte, sagte Lenz, „wir versuchen dagegen zu halten! So war ich es maßgeblich“, betonte er, „der das Verschieben der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre initiiert hat. Dafür bekam ich über 2000 sehr harte und unsachliche Mails von Natur- und Tierschützern – aber das müssen wir aushalten.“ Er und die CSU versuchten sich für die Landwirte stark zu machen, gemeinsam mit dem Bauernverband. „Das ist nicht einfach gegen so viele Gegner, unter anderem die Grünen, die unser Land am liebsten zurückwerfen wollen ins Jahr 1810, ohne Motor, ohne Industrie und Landwirtschaft auf ganz kleiner regionaler Ebene. Das wollen wir nicht“, betonte Lenz. Verbraucher in Sendling, Schwabing oder dem Prenzlauer Berg wollten zwar saubere Bio-Lebensmittel, hätten aber eben keinen Ahnung, wie diese erzeugt würden. Er sei gegen die neue Düngeverordnung aus Brüssel, die sei viel zu starr, er lehne das Anbindeverbot bei Kühen ab, das treffe viele kleine Betriebe überhart. Auf Lenz‘ Aussage: „Bio ist ja ganz nett, aber Bio-Bauern verbrauchen viel mehr Fläche als konventionelle und erzeugen viel mehr CO2“, erhielt er einen scharfen Gegenruf von BDM-Mann und Bio-Bauer Lohmeir. „Das stimmt so einfach nicht, das sind absolut falsche Behauptungen!“

 

RAPS IST EINE TOLLE PFLANZE - DIE AUSGEBREMST WIRD
Landwirtschaftsmeisterin Caroline Brielmair aus Grucking fordert von der Politik in Berlin und Brüssel, dass die Landwirte nicht immer noch mehr gegängelt werden. „Raps ist eine exzel-lente Frucht: Sie lockert den Boden, braucht kaum Pflanzenschutz, ist perfekt für Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Fliegen als frühe Blüte. Rapsöl ist als Lebensmittel ebenso hochwertig wie als Brennstoff und Raps liefert mir hochwertigstes Eiweiß für meine
Tiere. Doch billiges Palmöl aus Indonesien wird gefördert, ebenso billiges Soja aus Südamerika – wir wollen hier aber unseren Raps anbauen!“ Aus Brüssel und Berlin werde der Rapsanbau seit Jahren mit fachlich nicht nachvollziehbaren Verboten im Pflanzenschutz behindert. „Seit den
Einschränkungen in der Saatgut-Beize haben wir massive Probleme mit Schädlingen, welche vorher so nicht aufgetreten sind. Der Pflanzenschutzaufwand ist entsprechend enorm
gestiegen, ohne gleichwertigen Erfolg in der Schädlingsbekämpfung. Dadurch sinken Erträge und damit der Markterlös bei gleichzeitigem Mehraufwand in der Erzeugung“, sagt die engagierte Landwirtin. Der Rapsanbau gehe zunehmend zurück und die „gelben Flecken“ verschwinden auf den Fluren. „Wir importieren lieber Eiweiße aus wenig kontrollier-
tem Anbau anderer Länder.“ Auch hier lag Lenz mit seiner Antwort exakt neben den Vorstel-lungen der jungen Landwirte: „Wir müssen schauen, dass wir den Raps durch Zuschüsse fördern und so attraktiver machen.“ Brielmair entgegnete, dass man eben keine Subvention wolle,
„sondern faire Bedingungen und Akzeptanz!“ Dies wurde im Saal heftig bejubelt.
Auf die Frage eines Jungbauern, warum man in Deutschland mit dem Mercosur-Abkommen Produkte aus Südamerika akzeptiere, „wofür der Regenwald abgeholzt werde, die sich nicht um Tier- und Pflanzenschutz kümmern und die voll sind mit Glyphosat“, sagte der  Bundestagsabgeordnete, dass die bairischen Bauern ohne den internationalen Handel nicht überleben könnten. „Aktuell gibt es eine hohe Nachfrage nach Milch und Schweinefleisch aus Asien sowie dem Nahen Osten, Japan hat bei landwirtschaftlichen Produkten nur einen Eigenversorgungsanteil von 40 Prozent, davon profitieren die bairischen Bauern. Da müssen wir
natürlich auch Importe aus anderen Ländern akzeptieren.“ Hier fehlte der Beifall der Jungbauern.

 

LANDKREIS-MARKE
Landrat Bayerstorfer hob hervor, dass es in Bayern keinen einzigen Landkreis gebe, der so viel landwirtschaftliche Fläche habe wie der in Erding. „Wir haben 5500 Landwirte auf 2000 Betrieben, 68 Prozent der Fläche ist Acker,Wald oder Wiese. Da ich selbst Landwirt bin kann ich nur versichern, dass sich keiner so für die Landwirte einsetzt wie ich.“ Leider werde die Gesellschaft, befeuert von einigen interessierten Kreisen, immer „verlogener“, man wolle angeblich gute, saubere Lebensmittel, am besten Bio – kaufe dann aber doch das Billigste. „Daher werden wir jetzt die Regionalmarke für den Landkreis entwickeln, mit der wir die Produkte aus unserer Region stärken. Da geht es nicht um Bio oder Fair Trade, sondern um regional – das ist es, was die große Mehrheit der Bevölkerung kaufen will!“, sagte Bayerstorfer.

 

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