Power-Frau Veronika Fläxl

Veronika Fläxl (37) sagt gerade heraus sagt was sie denkt. Da gibt es kein Herumgeschwafel oder um den heißen Brei herum geeiere. Sie ist das, was man unter einer „Powerfrau“ versteht und von der man das Klischee vor Augen hat: Frohgelaunt hüpft sie aus dem Bett, noch auf dem Weg zum Badezimmer reißt sie sich das Nachtkleid vom Leib und Sekunden später ist sie startklar. Fläxl ist schlagfertig, eloquent, authentisch, macht sich täglich an die Arbeit mit Blick auf die Realität, die sie durchaus auch durchwirbelt.

 

Fläxl ist seit drei Jahren Geschäftsführerin „Personal und Human Resources“ der Fläxl-Kinos, die seit 2004 zur Cineplex-Gruppe gehören, einem Verbund unabhängiger, mittelständischer Kinounternehmer.

 

Kind einer Kino-Dynastie

Trotz Verbund gestalten die Inhaber der einzelnen Cineplex-Kinos ihr Filmprogramm selbst, legen ihre Eintrittspreise sowie lokalen Marketingmaßnahmen selbständig fest. Die Fläxls beschäftigen über 250 Mitarbeiter in den drei Häusern Vilsbiburg (eröffnet 1994), Erding (2000) und Neufahrn (2008). 3133 Cineasten finden in den 33 Sälen Platz, können exzellentes Kinoerlebnis genießen. Veronika ist die vierte Fläxl-Generation, 2012 organisierte sie den 100. Geburtstag des Familienunternehmens, damit zählen die Fläxls zu den ältesten Kinodynastien Deutschlands. Am 1. Januar 2014 stieg sie offiziell ein, der Übergabeprozess von den Eltern auf die Kinder läuft aber noch.

 

Das Kinokind
Veronika hat gleichberechtigt ihre Geschwister an der Seite, die Schritt für Schritt nach ihr in das Familienunternehmen eingestiegen sind. Andreas ist zuständig für die Technik, Susanne die Finanzchefin. „Ich bin der Außenminister, vertrete die Firma gegenüber der Öffentlichkeit und mache die repräsentativen Aufhaben“, lacht Veronika. Sie glaubt an das, was sie macht. „Daraus resultiert auch mein eigener Erfolg.“
„Powerfrau“ ist ein starker Begriff, er bedeutet Kraft, Macht und Energie und ist damit ultimativ die Absage an das alte Frauenbild des „schwachen Geschlechts“. Veronika ist so eine. Von Kindesbeinen an war ihr klar, dass die Kinowelt die ihre ist. „Als Mädel hab‘ ich zusammengekehrt  und -geräumt, die eine oder andere Münze unterm Sitz gefunden, mich in Filme reingeschmuggelt, die ich eigentlich noch nicht hätte sehen sollen“, so Fläxl. Bevor sie aber endgültig beruflich in die Kinowelt eintauchte, führte ihr Weg erst in eine andere Richtung. Auf das Abi folgte ein Politikstudium in München, Nebenfächer Anglistik und Amerikanistik. Es folgte ein Volontariat bei einer Erdinger Zeitung, „eine wunderbar aufregende Zeit, aber ohne Aussicht auf Anstellung.“ Statt auf Stellensuche zu gehen war der Gedanke schnell da „nun steige ich im Kino ein“. Ähnlich war es bei Andreas, der erst Garten- und Landschaftsbau in Weihenstephan studierte und auch einige Jahre im Beruf arbeitete.  Susanne schloss ein BWL-Studium mit MBA ab. Die freie Berufswahl ihrer Kinder war auch von den Eltern Angela und Paul gewollt. „Wir drei sollten erst etwas anderes machen, was Ordentliches, womit wir uns selbst versorgen konnten.“ Damit, falls sie in die Firma einsteigen, dies freiwillig und absichtlich ist. 

 

Die Chefin
Veronika ist weit davon entfernt, sich in die Reihe der idealisierten „Superweiber“ einzureihen, die bestenfalls zu fiktiven Höhenflügen taugen. Sie hat bewusst den Schritt in die Kinowelt gemacht, willensstark. Wobei an erster Stelle Zielstrebigkeit und vor allem Organisationsfähigkeit stehen. Sie will sich, ihre Ziele fest vor Augen, selbst verwirklichen und macht alles mit Leidenschaft. Und vor allem mit Tempo, sie spricht in rasender Geschwindigkeit, sie hat ja auch viel zu sagen, schlagfertig und wortgewandt. Das Erfreuliche ist, sie hat Bodenhaftung.
Trotz aller Power, die in den 165 Zentimetern stecken, hat sie auch Bedürfnisse, die eben nicht in das Bild eines „Supergirls“ passen. Denn Veronika Fläxl weiß um ihre Kapazitätsgrenzen. Penibel achtet sie auf eine 40 Stunden Woche, „da bin ich streng zu mir, denn man kann sich auch kaputt arbeiten. Ich muss aber auf Zack sein, im groggy-Zustand geht mein Job nicht.“ Dabei hat sie ihre Mutter vor Augen, die ebenfalls viele Aufgaben hatte, diese gleich gut bewältigen wollte, an der Vielfalt aber oft scheiterte. „Sie war unzufrieden mit sich selbst, das war frustrierend für alle Beteiligten.“

 

Die Gastgeberin
Ihr Handeln und Tun sind gnadenlos kundenorientiert. Alle 33 Säle sind mit 3D ausgerüstet, alle bieten Komfort. „Wenn ich will, dass Leute zu mir kommen, dann muss ich ihnen etwas Schönes bieten“, so Fläxl. Das heißt, es muss mindestens so angenehm und gemütlich wie zu Hause sein, also bequeme Sitze mit breiten Armlehnen, ein akustisch optimales Soundsystem, ein perfekt abgestimmter Gastrobereich. Zu Opernfilmen gibt’s dann eben auch Sekt und edle Pralinés. Optimaler Komfort und Service führe letztlich zu Stammpublikum und damit gleichbleibender dauerhafter Auslastung. Dies zu gewährleisten „muss man regelmäßig an den Schrauben drehen und sich an den echten Wünschen der Kunden orientieren.“ 

 

Die Kinogängerin
Die Leidenschaft für Filme hat sie immer noch, in den eigenen Kinos schaut sie aber nie. „Da würden ja alle stramm stehen, das wäre keine Entspannung.“ Wenn’s geht, dann sitzt sie in der ersten Reihe, mindestens im ersten Drittel, damit kein fremder Kopf das Bild stört. Montagabend ist meist ihr privater Kinotag, da gibt sie sich Originalfassungen in einem Münchner Kino mit Konzertakustik. Freitag abends, ein bis zweimal im Monat, dann die Starts von Blockbustern. „Das mache ich ganz allein, immer schon.“ Am liebsten ist ihr „das Schräge“, Fantasy, Science Fiction, Filme von Sofia Coppola oder Tim Burton, bei romantischen Komödien „verstehe ich, wieso sie gefallen, aber geht für mich eigentlich gar nicht.“ Und manchmal wünscht sie sich auch, dass jemand anders das Ruder in die Hand nimmt. Dann geht sie mit Freunden ins Kino, von denen einer die Tickets besorgt und sie für gar nichts verantwortlich ist.

 

Der Familienmensch
Mit der eigenen Familie mit Kind und Kegel hat’s noch nicht geklappt, schön wär’s aber. Mit 29 Jahren heiraten und mit 29 ½ ein Kind das hätte ihr gefallen. „Die Familie ist immer noch eine Idealvorstellung, aber mit 37 nun schon schwierig. Doch jetzt werde ich erst mal Tante“, stellt sie zufrieden fest. Zumal der Zusammenhalt ihrer Familie gerade das ist, was sie so schätzt. „Dass meine Geschwister im Jahr 2013 mit eingestiegen sind, war und ist eine enorm glückliche Fügung. Der Betrieb hat zu viel Wucht, da können wir nur zu Dritt dagegen halten und etwas reißen.“ Wäre sie alleine geblieben, dann wären viele Entscheidungen nicht getroffen worden, denn „sie müssen ja auch umgesetzt werden.“ Sie ist sich sicher, das macht sie als Fläxl-Trio so stark. „Nur wenige Kollegen können das auf so breite Schultern auflegen.“ Eitel Sonnenschein und alles Friede, Freude, Eierkuchen ist aber nicht alle 365 Tage im Jahr, „Probleme gibt es. Aber die werden in der Hitze des Gefechts geklärt.“
(Heft 41 August/September
2017)
 

 

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