Wurzelpflege auf historischem Boden

Archäologischer Verein vergibt Forscherpreis

 

Ihre Leidenschaft liegt unterhalb der Grasnarbe. Die 32 Mitarbeiter des Archäologischen Vereins Erding haben in über 25 Ausgrabungen im Jahr 2017 1.800 ehrenamtliche Stunden investiert. Meist sind es Bauvorhaben, bei denen etwas im Boden gefunden wird. „Überall im Boden steckt Geschichte“, so Museumsleiter Harald Krause.
Rund 59.000 Bodendenkmäler gebe es in Bayern, 1.000 davon auf Erdinger Gebiet. Davon wiederum sind lediglich 20 Prozent überhaupt erst entdeckt, dokumentiert, ausgegraben oder der Forschung zugeführt. Krause spricht vom „Bavarian Heritage“, dem baierischen Erbe.
Doch nicht immer geschieht dies zu aller Freude, denn wenn im Zuge von Baugebieten etwas Archäologisches zu Tage tritt, muss der Bauherr für die Kosten der Grabungen aufkommen. „Aber die Akzeptanz wird spürbar besser“, so Krause. Es sei ein Spagat, den Wohnungs- und Entwicklungsdruck in Einklang mit der Archäologie zu bringen.
Die Funde sind unterschiedlicher Art: Die Baustelle des Rathauses hatte Holzwände und alte Mauern hervorgebracht, ein Knochenfund im Altenerdinger Petersberg, Funde von Bajuwaren in der Haagerstraße. Herausragend war der Königshof von Ardeoningas am Gaugrafenweg. „In die riesige Fläche des Fliegerhorstes durften wir noch gar nicht hinein und auch im Stadtpark könnte etwas sein!“ Ebenso sei der Bau der Erdgaspipeline Monaco 2 eine Riesenherausforderung für die Bodendenkmalpflege. Auch das Erdinger Umland stecke voller Schätze, in Oberding wurde frühbronzezeitliche Keramik ausgegraben, unterhalb des Dorfener Rathauses fand man mittelalterliche Holzkonstruktionen.
Für Oberbürgermeister Max Gotz und die „Alt-Erdinger“ ist dies „Wurzelpflege“, die Neubürger könnten so ein Gespür dafür entwickeln, auf welch‘ historischem Boden sie wohnen. „Ich wünsche mir weiterhin Lebendigkeit, Enthusiasmus und Emotionalität“, appellierte Gotz anläßlich des achten archäologischen Neujahrsempfangs, der der räumlichen Kapazität des Museums seine Grenzen aufwies, so viele Interessenten waren gekommen. Gotz weiß was er an Krause hat und umgekehrt auch. „Denn es ist nicht selbstverständlich, dass wir funktionierende Bodendenkmalpflege für eine kommunal-archäologische Forschungsarbeit machen. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass und vor allem wie sowie in welchem Umfang uns hierbei die Stadt Erding unterstützt“, bedankte sich Krause.
Im Zuge des Empfangs wurde zum vierten Mal der Archäologie-Preis vergeben. Der keltische Hohlbuckelfußring ging an zwei „unermüdliche und langjährige Mitstreiter, nämlich die guten Seelen Susi Mörth und Rolf Böker“, sagte Krause. Seit acht Jahren ist das Paar im Verein aktiv, auf jeder Exkursion, Wanderung, Führung oder Grabung sind sie dabei. Böker stets mit seiner Kamera und auch Hund „Aaron, der Schreckliche“ darf mit. Die Ehrung traf beide völlig überraschend, „das ist der Wahnsinn“, strahlte Böker.

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