Sein Herz gehörte seiner Heimat

125. Geburtstag von Hiasl Maier-Erding

 

 

Hiasl Maier wollte nie etwas anderes als malen. Er war hartnäckig und setzte seinen Wunsch um. In den nur rund drei Jahrzehnten seines Schaffens bis zum Tod am 30. April 1933 schuf er etwa 500 Bilder. Am 3. Mai dieses Jahres wäre er 125 Jahre alt geworden. Obwohl seine Wahlheimat
am Chiemsee lag und auch dort das Zentrum seiner Kreativität war, „sein“ Herz gehörte immer Erding. So sehr, dass er seine Geburtsstadt zum festen Bestandteil seines Namens machte: Hiasl Maier-Erding.

Der Hiasl – ein Sturkopf
Das Haager Tor, ein strohgedecktes Altenerdinger Bauernhaus, die Sempt im Winter oder der Stadtturm, das sind die Motive von Maiers Jugend. Besser gesagt seiner Kindheit, denn das „Haager Tor in Erding“ mit dem Stadtturm entstand bereits 1905, Hiasl war gerade mal elf Jahre
alt. Sie stammen also aus der Zeit vor seinem „Umzug“ nach Prien im Jahr 1907, wo er seine Lehrjahre verbrachte. Schon als 5-Jähriger hat er jedes Fitzelchen Papier, das ihm unterkam, mit Kritzeleien und Zeichnungen bedeckt. Das war ihm lieber, als draußen zu spielen. Als er mit
zwölf Jahren an Diphterie erkrankt, wünscht er sich einen Malkasten zur Genesung. Seine „Förderin“, die ältere Stiefschwester Katharina, brachte ihm aus München Farbtuben mit, die
es damals in Erding noch nicht gab. Sein Abschluss-Schulzeugnis zeigt, dass er ein  aufgeweckter Bub war, in Religion, Lesen, Rechnen, Geographie und natürlich Zeichnen hatte er
eine Eins, sein Lehrer Max Wild lobte seine „gute Befähigung zum Zeichnen und Malen.“ Hiasls Wunsch Maler zu werden kam beim Vater, der für ihn eine Bäckerlehre im Auge hatte,
nicht gut an. Der sah seinen Sohn bereits als „Hungerleider“. Hiasl aber blieb beharrlich, letztlich schlossen Vater und Sohn einen Kompromiss: In Prien am Chiemsee nahm er eine
Lehrstelle bei Malermeister Hans Schöberl zum Dekorationsmaler an. Schöberl sollte dem Hiasl die „brotlose“ Kunstmalerei austreiben. Während seiner zweijährigen Lehre rührte Hiasl Farben an, wusch Pinsel aus, die Seekapelle und das Schloss auf der Herreninsel waren
sein Arbeitsbereich, dort malte er die Zimmer aus und an. In den wenigen freien Minuten stahl er sich mit seinem Skizzenblock und Palette auf die Berge. Die herrlichen Stimmungen, die er hier vorfand, bannte er später in großen Bildern.

Dampfnudeln als Lohn
Noch nicht 16 Jahre alt war er im Jahr 1911 mit der Lehre fertig, da zog es Hiasl nach München zur königlichen Kunstgewerbeschule. Von dort wechselte er ein Jahr später in die Klasse des Chiemsee-Malers Karl Raupp an der Münchner Akademie. Mühsam hielt er sich mit wenigen Aufträgen über Wasser, malte Portraits für 25 Pfennig oder füllte sich für das Portrait einer Dampfnudelbäckerin mit 125 Dampfnudeln als „Lohn“ den Magen. Seine Motive waren die Menschen, denen er begegnete, und die Natur, denn er war lieber draußen am See, malte Tiere auf der Weide und Landschaften, als dass er im Unterrichtssaal beim Modellzeichen übte. Trotz seiner Jugend zählen aus dieser Zeit das „Siecktöchterlein“ hinsichtlich Schönheit und  Farbgebung zum malerisch Lieblichsten des Jahres 1916. Ebenso beeindruckend ist der
„alte Fährmann Westernacher“, in dessen Gesicht sich die harte Arbeit eingegraben, gehärtet und gestählt hat. Dem ersten Weltkrieg „entkam“ Maier aufgrund eines Knöchelbruchs,
rasch wurde er „ausgemustert“ und kehrte an die Akademie in München zurück. Von seiner Malerei konnte er nicht leben, war immer noch auf Zuwendungen von seiner Familie angewiesen. Nach einigen Portrait-Auftragsarbeiten reiste er jedoch auf Empfehlung seines Bewunderers Herzog von Mecklenburg nach Holland. Dort schien man auf ihn gewartet
zu haben, er war ein gern gesehener Gast in der „Gesellschaft“. Bei seiner Rückkehr nach Prien im Jahr 1919 hielten ihn weiterhin die Portraits über Wasser, zudem unterrichtete er die Prinzessinnen von Bayern, portraitiere den damaligen Altbürgermeister Michael Ferstl.

Immer das Auge ist der Anfang
In Gstadt auf der Fraueninsel fasste Hiasl Fuß, aus seinem Atelier auf dem Dachboden eines Bauernhauses überblickte er Dreiviertel des Chiemsees und die Berge. Die „reifste“ Zeit beginnt: von Arbeit und Wetter geprägte Männerköpfe und Bäuerinnen, lebensfrohe Szenen am Rande eines Festes, Landschaftsbilder und Inselbilder. Bilder von packender Kraft und Innigkeit, mit einer einzigartigen Beobachtungsgabe - Hiasl Maier-Erding wurde zu einem gefragten Porträtisten. Nie hat er etwas „vorgemalt“, denn das Zeichnen mochte er nicht, er griff stets sofort zum Pinsel, sein Element war die Farbe. Er begann stets mit dem rechten Auge des Gegenübers, oft soll nach der ersten Sitzung noch nicht viel mehr als das Innere des Auges zu sehen gewesen sein. Dann fügte er peu à peu das umliegende Gesicht hinzu, die Nasenwurzel,
das zweite Auge und so weiter. Kronprinz Rupprecht und Kardinal Faulhaber gehören neben Geheimrat Martin Irl und dem Präsidenten des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, Ritter von Kahr, zu den berühmtesten von Hiasl gemalten Köpfen. Seiner tiefen Liebe und Verbundenheit für Bayern, Heimat und Tradition, aber auch seiner Geselligkeit, seinem Humor und seiner Ehrlichkeit verdankt er die Freundschaft zu vielen bedeutenden Persönlichkeiten wie auch der „normalen“ Nachbarn, den Bauern und Handwerkern. Schmuck im Anzug, aber viel öfters ist er in der Tracht, mit Haferlschuhen, kurzer Lederhose, Jancker und Hut zu sehen. Von einer verschleppten Erkältung erholt er sich nicht mehr. Es folgten eine Nierenentzündung,
Netzhautablösung und Erblindung. Hiasl Maier stirbt am 30. April 1933. Die Mehrzahl seiner Bilder befindet sich in Privatbesitz, Heike Kronseder vom Museum Franz-Xaver Stahl bemüht sich um freiverkäufliche Gemälde für die städtische Kunstsammlung Erding.
 

Hiasls „Geburtstagsfeiern“:
7. April bis 4. August, Museum Franz-Xaver Stahl: Sonderausstellung
zum 125. Geburtstag: „Hiasl Maier-Erding – Skizzen, Studien und Briefe aus dem Nachlass“. Geöffnet an den Museumssonntagen (7.4.,5.5., 19.5., 2.6., 7.7. und 4.8.) von 14 Uhr bis 17 Uhr. An allen anderenTagen können Führungen gebuchtwerden, Eintritt frei.

20. Mai, Weißbräu Erding: Bilder-Vortrag zum Leben und Werk von Dr. Heike Kronseder, Beginn 19.30 Uhr.

5. bis 16. Juni, Frauenkircherl Erding: Ausstellung zum 125. Geburtstag „A Fauler bin i net“ – Ölgemälde von Hiasl Maier-Erding, täglich von 13 Uhr bis 18 Uhr.

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