Baumpaten gesucht

25 Jahre Obstverschönerungs- und Gartenbauverein Langengeisling

 

bb - Kennen Sie Gellerts Butterbirne? Den Trierer Wein- oder Danziger Kantapfel, den roten Astrachan, Baumanns Winterrenette oder die Büttner Rote Knorpelkirsche? Ja? Respekt! Dann sind Sie ein Experte für ganz alte deutsche Obstsorten – oder Mitglied beim Obstverschönerungs- und Gartenbauverein Langengeisling, im Norden Erdings.

 

Nistkästen, Exkusionen, Streuobst

Die rührigen 100 Mitglieder um ihren Vorsitzenden Hartmut Witting feiern mit dem Verein heuer 25. Geburtstag. Sie kümmern sich mit Schulen um Nistkästenbau, Ruhebänke im ganzen Ort, Kräuterbuschen binden zu Mariä Himmelfahrt, Altarschmuck zu Fronleichnam- und Adventsfeiern, die Maiandacht sowie Vorträge im Frühjahr und im Herbst. Exkursionen zu Zielen im Nahbereich, etwa den Staudengärten in Weihenstephan oder dem Botanische Garten München, ergänzen das Programm. Zu Weihnachten stellen sie einen Christbaum auf dem Kirchplatz in Langengeisling auf. Aber vor allem geht es natürlich um die große Streuobstwiese bei Eichenkofen. „Dafür suchen wir jetzt noch 13 Baumpaten“, sagt Witting.

 

Auf der Suche nach jungen, engagierten Mitglieder

Im Jahr 1993 fanden sich Bürger aus Langengeisling, Altham und Eichenkofen zusammen und wollten die heimische Kultur pflegen und die intakte Natur weitestgehend erhalten. „Wir haben es geschafft, über 25 Jahre hinweg immer so um die 100 Mitglieder zu sein. Doch jetzt wurden es weniger und wir könnten einige Jüngere brauchen. Vor allem auch Mitglieder, die sich auf unserer Streuobstwiese engagieren“, sagt Witting. Diese Wiese am Ortsrand von Eichenkofen wurde 2002 auf einer Ausgleichsfläche der Stadt Erding angelegt. „Das war vorher eine saure Wiese, da wuchs eigentlich nichts drauf, bevor wir pflanzten“, erinnert sich Rudi Thalmeier.

 

Fast zu wenig Blüten für zwei Bienen-Völker

Der Verein pflanzte nach und nach 35 Obstbäume: Apfel, Kirsche, Birne, Zwetschge – immer mit dem Ziel alte, heimische Arten zu erhalten, die es so in keinem Baumarkt zu kaufen gibt. Dazu Walnuss, Quitte und ganz neu eine Mispel. „Unser Grundsatz ist, dass wir außer mit Hornspänen nichts düngen, keine Spritzmittel einsetzen und so wenig wie nötig schneiden. Auch das Gras mähen wir höchstens zwei oder drei Mal im Jahr, das macht die Stadt Erding für uns – damit Bienen und Krabbler genügend Futter und Unterschlupf finden“, erläutert Mathias Lex. Die alten Apfelsorten seien zwar nicht so ertragreich wie die neu gezüchteten, „dafür sind sie deutlich aromatischer und haben ein Vielfaches an Vitaminen“, ergänzt Lex. Das mit dem seltenen Mähen der Wiese zwischen den Bäumen begrüßt auch Stefan Kübelböck sehr. Er ist Hobby-Imker und hat jüngst zwei seiner Bienenkästen in der Nähe des Vereins-Lagerhüttchens aufgestellt. Ganz oben hat er eine Plexiglasscheibe montiert, dass interessierte kleine und große Kinder mit ihm gemeinsam das wilde Wuseln im Bienenvolk beobachten können. Kübelböcks eifrige Helferinnen sorgen für die perfekte Befruchtung der Obstbäume. „Doch die 35 Bäume sind fast zu wenig für meine vielen Tiere, denn wenn die Obstbäume Mitte Mai abgeblüht sind, finden die Bienen rundherum bei den Monokulturen an Raps und Mais fast kein Futter mehr. Da bin ich doch sehr froh, wenn die Wiese mit ihren vielen Blumen und Blüten lange stehen bleibt!“ 

 

Baumpaten gesuccht

Von Anfang an gab es im Verein die Idee, die Bäume der Streuobstwiese an Paten zu vergeben. „Dazu muss man Mitglied im Verein werden, das kostet für jeden im Jahr 16 oder als Familie 23 Euro. Dafür übernimmt man dann die Pflege eines Baumes für zehn Jahre und engagiert sich auch im Verein. Dann gehört einem natürlich der Ertrag des Baumes, die Früchte der nicht vergebenen Bäume werden aufgeteilt“, sagt Witting. Im Moment sind noch einige Bäume ohne Paten und könnten sofort übernommen werden. „Die Ernte ist allerdings nicht gigantisch“, muss Thalmeier eingestehen. 2017 erfroren fast alle Blüten, da gab es so gut wie nichts zu ernten, im Jahr davor pflückten sie dafür bei jedem Baum zwei, drei große Körbe und Kisten. „Zu wenig zum Auspressen – aber sehr g‘schmackig zum Essen!“, sagt Lex. Ein anderes Problem neben den natürlichen Ernteschwankungen ist zweibeinig. „Nur weil wir keinen Zaun um unsere Wiese gebaut haben heißt das noch lange nicht, dass sich jeder schamlos bedienen kann. Doch einige – Kinder wie Erwachsene – laden sich Tüten und Körbe voll, wenn unsere Früchte reif sind. Da fehlt es am Anstand, da können wir nichts machen“, schütteln Marianne, Silvia und Resi nur den Kopf. 

Leider klauen viele die fremden Früchte
„Wir haben den Kindergartenkindern aus Aufhausen auch schon gezeigt, woher Apfelsaft eigentlich kommt: Die haben den ganzen Tag mit uns geerntet, am nächsten Tag sind wir mit einer mobilen Presse in den Kindergarten und haben dort Apfelsaft gemacht. Da waren einige überrascht, welcher Aufwand dahinter steckt“, erzählt Daniela Mau. Mit Grundschulkindern aus Langengeisling bauten sie Nistkästen, die jetzt in den Bäumen der Streuobstwiese hängen und jedes Jahr voll mit Blau- und Kohlmeisen sowie Kleiber belegt sind, in einer Ecke nistet sogar ein Grünspecht. Den Erlös aus dem Verkauf der beliebten Kräuterbuschen, von denen sie 130 bastelten, spendeten sie an die Klinikclowns Freising. Kürzlich haben sie einen großen Sitz für Greifvögel gebaut, um so das Wühlmausproblem ökologisch in den Griff zu bekommen. Bisher aber noch ohne großen Erfolg! „Nun planen wir eine Benjes-Hecke, die wird aufgebaut aus dem Baumschnitt des Herbstes, gemeinsam mit Gras und Stroh und soll ein Rückzugsort für Vögel werden“, sagt Witting. Die Hecke wird in Verlängerung des Totholz-Baumes gebaut, der ebenso wie das sehr stabil gebaute Insektenhotel voll ist mit unzähligen Krabblern, Käfern und Fluginsekten.
 

 

Jedes Vereinsmitglied hat zu Hause einen Garten mit Obstbäumen, bräuchte also eigentlich keinen extra Obstgarten. Ihnen allen geht es um die Solidarität im Dorf und darum, die heimische Natur ohne Chemie zu erhalten – und sich daran zu freuen. „Ein Streuobst-Garten ist ein Hotspot der Bio-Diversität, hier leben bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Das wollen wir erhalten“, unterstreicht Thalmeier.

 

Mehr Infos: www.langengeisling.blogspot

 

 

 

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