"So hoch kann keine Mauer sein!"

Hochschul-Präsident Eric Veulliet warnt drastisch vor dem kommenden Krieg um Wasser

 

 

„Wir wissen seit 122 Jahren, dass eine deutliche Erhöhung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einer starken Temperaturerhöhung auf der gesamten Erde führt. Trotzdem verbrennen wir Tag für Tag unvorstellbare Mengen an fossilen Stoffen. Das Resultat können wir ebenfalls täglich sehen: Dürre, Waldbrände, wahnsinnige Naturkatastrophen mit Wirbelstürmen und Überschwemmungen, das rasante Abschmelzen des Eisvorräte, die zu einem kontinuierlichen Anstieg der Weltmeere und damit zum Absaufen von immer mehr Küstenregionen führt“, bereitete Eric Veulliet die Basis für seine düstere Vorhersage. „Wir bauen seit über 100 Jahren so eine große Scheiße – warum tun wir nichts dagegen?“ Würden wir nicht radikal – und nicht nur um ein paar Zehntel Grad pro Jahr – gegensteuern, stünden uns nicht vorstellbare Kriege um Trinkwasser und damit die Flucht mehrerer Hundert Millionen Menschen bevor. „Wo sollen die hin, wenn sie überleben wollen? Nur nach Europa! Wie hoch wollen wir dann die Mauer bauen?“

Eric J. Veulliet (55) ist Geologe und Hochschullehrer, seit Oktober 2017 Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf. In seinem früheren Leben, das gibt er offen zu, arbeitete er weltweit und für viel Geld für die Erdöl-Industrie. „Ich habe danach aber auch „Gutes“ getan und das „alpS“ in Innsbruck Zentrum für Naturgefahren-Management gegründet.“

 

Wir sind alle totale Öl-Junkies

Seine Tätigkeit für die Erdöl-Industrie macht ihn zum exzellenten Kenner der Materie. „Seit Beginn der Industrialisierung vor gut 200 Jahren dreht sich alles um fossile Brennstoffe, die wir für unseren immer größeren Energiebedarf benötigen.“ Was mit Kohle für die ersten Dampfmaschinen begann, mündete in Öl und Erdgas, nicht nur für den Auto- und Flugverkehr oder Kraftwerke, ebenso für Plastik, Düngemittel, Verpackungen. Laut Veulliet werden täglich über 14 Milliarden Liter Öl gefördert – das sind statistisch je Erdbewohner zwei Liter am Tag. Wobei ein Großteil davon nie etwas mitbekommt, weil sie in bitterster Armut und ohne Wärme- oder elektrische Energie leben müssen. Zum Öl kommen täglich 20 Millionen Tonnen Kohle und 8 Milliarden Kubikmeter Erdgas. „Fast alles davon verbrennen wir und erzeugen damit unglaubliche Mengen an CO2. Ein Liter Diesel verbrennt zu 2,6 Kilo CO2, ein großes Mittelklasse-Auto erzeugt im Jahr 52 Tonnen Kohlendioxid, ein Kleinwagen 16 Tonnen!“

Diese Menge an CO2 fördert den Treibhauseffekt, dass es also in unserer Hülle um den Erdball immer wärmer wird. Wobei es keineswegs so ist, das wir auf das Treibhaus verzichten könnten – ohne unsere dünne Schutzhülle wäre es auf der Erde im Schnitt -18 Grad kalt, und nicht wie heute +15°C. „Doch bereits im Jahr 1896 rechnete der spätere schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius vor, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einer Temperaturerhöhung um 4 bis 6 Grad führt. Wir wissen das also seit 122 Jahren und tun nichts dagegen? Warum? Keine Konferenz, kein Kyoto- oder Paris-Protokoll hat irgendetwas bewirkt, nach wie vor steigt die Temperatur auf der Erde!“

Die Konsequenzen: Dürre, Naturkatastrophen, riesige Brände, Überschwemmungen. Selbst wenn wir – völlig unrealistisch – noch heute, sofort sämtliche fossilen Verbrennungen stoppen würden, würde die Temperatur etwa 100 Jahre weiter ansteigen, so träge ist das System. Erst danach begänne die Abkühlung.

 

Der Klimawandel wird den Welt-Frieden nachhaltig bedrohen

Aus Sicht von Eric Veulliet war der Auslöser für den Bürgerkrieg in Syrien – der letztlich eine Flucht von Millionen Menschen nach Europa verursachte – 20 Jahre totale Dürre. „Die Menschen drängten vor dem Verdursten in die Städte und erzeugten dort Unruhen. Ebenso werden bis zum Jahr 2050 die Menschen in Nordafrika, Arabien bis nach Iran, Pakistan und Indien kein Trinkwasser mehr haben, weil es dort nicht mehr regnet. Wo sollen die hin? Die können nur zu uns kommen, wo es noch genug Wasser gibt!“ Gleichzeitig prophezeite er ein weiteres Abschmelzen der Gletscher in den Alpen sowie des Eises am Nordpol, was zum Anstieg des Meeresspiegels führt. „Auch die Menschen der Küsten müssen dann nach Mitteleuropa kommen! Wir erwarten also Hunderte von Millionen an Klima- und Binnenflüchtlingen.“
 

Jeder kann etwas tun

Auch wenn es nicht gut aussieht: Jeder kann etwas tun! Brauchen wird das Drittauto? Brauchen wir überhaupt eigene Autos mit Verbrennungsmotoren? Muss jeder ‘zigmal im Jahr in den Urlaub fliegen oder eine Kreuzfahrt machen, die unglaubliche Mengen an Abgasen ausbläst? „Wir müssen nicht verzichten, nur mehr genießen, was wir haben! Deutschland hätte die Technologie und die Rohstoffe für sämtliche benötigte Energie ohne fossile Verbrennung – stattdessen überweisen wir jedes Jahr 90 Milliarden Euro in die größten Krisenregionen der Welt für Öl! Warum sind wir so dumm? Warum kaufen wir im Januar Erdbeeren und Spargel? Warum dämmen wir unsere Häuser und Wohnungen nicht besser? Ökonomie, Ökologie und gesellschaftliche Akzeptanz müssen im Gleichgewicht stehen, dann können wir etwas bewirken! Denn diese Erde hat keinen Notausgang“, schloss Veulliet mit einem Zitat von Paul J. Crutzen.

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