Erding will's nicht: Die "faire" MVV Reform

Im Landkreis Erding zahlen alle nur drauf!

 

Im Moment weiß keiner, ob die jahrelang vorbereitete Tarif-Reform des MVV überhaupt kommt. Die Landkreise Starnberg, Fürstenfeldbruck, Bad Tölz-Wolfratshausen und die Stadt München haben zwar zugestimmt, der Landkreis München aber ebenso vehement abgelehnt wie die Freisinger – vor allem auch nach dem Schaufenster-Antrag von Markus Söder, dass ein Ticket für einen Euro am Tag, wie im Vorbild Wien, ganz nett wäre. Die Erdinger Kreisräte hätten dem Konvulat wohl auch kaum ihre Zustimmung erteilt, hätten sie darüber abstimmen müssen, das musste MVV-Tarifexperte Nobert Specht schnell erkennen.

 

Der MVV meint es doch nur gut

Specht erklärte, dass die Grundidee der Reform sei, dass mehr Menschen als bisher öfters mit den Öffentlichen fahren. Monats- und Jahreskarten würden daher billiger, Einzel- und Tageskarten teurer. Neu eingeführt werden soll ein U21-Ticket, doch anstelle wie bisher nur die Hälfte, müssten die Jugendlichen dann 60 Prozent des regulären Preises zahlen. Wesentlich teurer würden auch die Seniorentickets durch die Umstellung. Neu wäre dafür ein Sozialticket für Menschen mit geringem Einkommen, Arbeitslose, Asylbewerber sowie Teilnehmer am freiwilligen sozialen Jahr. Das Sozialticket verursacht Zusatzkosten in Höhe von 9 Millionen Euro, insgesamt würde die jetzt geplante Reform einen Verlust von über 36 Millionen Euro erzeugen, den die Stadt München zu 75 und die Landkreise zu 25 Prozent übernehmen müssten. Das bedeutet für den Landkreis Erding jährliche Kosten von 700.000 Euro.

Specht bemühte sich immer wieder zu erklären, dass 70 Prozent der Bürger im MVV-Gebiet durch die Reform weniger zahlen müssten, bei 20% bleibe alles beim Alten und nur 10% müssten „etwas mehr“ berappen. „Aber es wird für alle viel einfacher und logischer!“, versuchte Specht zu glätten. Eine Ablehnung der drei Jahre lang vorbereiteten Reform hätte zur Konsequenz, dass sie nicht wie geplant im Juni 2019 starten könne, sondern wohl erst Anfang 2020.

 

Ohne Chance!

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) rechnete dem MVV-Mann haarklein vor, dass alle Gemeinden im Kreis Erding zwischen 10 und 20 Prozent mehr bezahlen müssten. „Und wir als Landkreis müssen für den Luxus des Sozialtickets noch zusätzlich 700.000 Euro reinbuttern für den Plan. Was soll daran bitte fair oder gerecht sein?“ Aus Sicht von Bayerstorfer müssten die Tickets für Schüler, Studenten und Senioren billiger und nicht teurer werden. Ein Seniorenticket, das von 69 auf 89 Euro im Monat steige, sei für ihn einfach nicht nachvollziehbar. Da werde er nicht zustimmen, sagte der Landrat. „Ich plädiere sogar dafür, das Sozialticket gar nicht einzuführen und stattdessen den Bedürftigen in den Landkreisen entsprechende Tickets zu geben!“ Er habe das Gefühl, so Bayerstorfer, die Schüler und Senioren sowie einige wenige Landkreise, wie etwa Erding, sollten dafür herhalten, um das Sozialticket zu finanzieren.

Specht widersprach vehement, das Sozialticket würde auf alle umgelegt, nicht nur auf einige wenige. „Außerdem war das keine Idee des MVV, sondern ein ausdrücklicher Wunsch einiger Landkreise, vor allem aus Ebersberg. Die wollten, dass ein Sozialbillet von allen und nicht von den Verursachern finanziert werde.“

 

Der Freistaat muss auch mit bezahlen

Kreisrat Hans Peis (CSU) forderte, dass die Kosten für alle Beteiligten gerecht verteilt sein müssten. „Wir ländlichen Kreise wollen nicht für die Ideen der Stadt München zahlen!“ Sein Fraktionskollege Franz-Josef Hofstetter blieb nicht so moderat in der Wortwahl. „Wir im Osten des Landkreises und speziell in Taufkirchen saufen ab im Verkehr, nun sollen wir als Belohnung auch noch deutlich mehr bezahlen als bisher, wenn wir öffentlich fahren? Da stimme ich niemals zu!“ Ursula Dieckmann (SPD) konnte es nicht verstehen, warum ausgerechnet die Schüler und Senioren am meisten zu bluten hätten für die Reform. „Ich finde eine Vereinfachung der Tarife ebenso gut wie das Sozialticket – aber nicht auf Kosten der Schwächsten.“ Florian Geiger (Grüne) warnte davor, die Benutzer, Orte und Landkreise gegeneinander auszuspielen. „Mehr Menschen sollen den ÖPNV nutzen! Das notwendige Geld dafür muss der Freistaat gemeinsam mit dem Landkreisen und der Stadt München aufbringen.“

 

Kasten

Im gesamten Tarifgebiet des MVV leben rund 2,9 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr fuhren mit den U- und S-Bahnen sowie Bussen 716 Millionen Menschen, fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Sie spülten Einnahmen von 910 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Aktuell sind neben der Stadt München noch 14 Landkreise ganz oder teilweise daran beteiligt. So schnell wie möglich auch rein wollen die Landkreise Landshut, Rosenheim und Miesbach.

 

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