Plastik in aller Munde!

„Lose“ einkaufen muss nicht teuer sein

 

 

Ein einziger Einkauf - und der gelbe Sack ist danach gut gefüllt. Gemüse und Obst, Fleisch oder Käse, Brot, Semmel, Joghurtbecher und Klopapier, fast alles ist in Plastik eingeschweißt. Fertige Salate samt Plastikbesteck und Sauce, Kaffee in kleinen Plastikkapseln, Mini-Hygieneartikel sind Ausdruck dessen, dass der tägliche Plastikkonsum übermäßige Ausmaße angenommen hat. Schon verrückt, dass der eigentlich praktische Kunststoff zur Plage geworden ist.

Plastik bedroht oder zerstört Lebensräume und die Artenvielfalt, löst sich nicht auf, sondern zerfällt zu Mikroplastik, das von Lebewesen aufgenommen und damit wieder auf unserem Teller landet. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien haben im Herbst vergangenen Jahres erstmals Mikroplastik in menschlichem Stuhl nachweisen. Wir nehmen es also über die Nahrung auf. Im menschlichen Blut hatte man schon länger Weichmacher und Bisphenol A (BPA), das sind Stoffe, die sich aus Plastik lösen können, nachgewiesen.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 150 Läden, in denen Verbraucher verpackungsfrei einkaufen können. Auch die Supermärkte und Discounter ziehen nach: Lidl, Edeka, Rewe und Aldi warten mit einer „Offensive gegen Verpackungsabfall" auf. Lidl möchte bis zum Jahr 2025 den Plastikverbrauch in seinen Geschäften um mindestens 20 Prozent reduzieren, Aldi gar um 30 Prozent. Ein erster Schritt war die Abschaffung der Plastiktüte, Lidl ersetzte sie durch Stoff- oder Mehrwegtaschen und spart nach eigenen Angaben damit jährlich 100 Millionen dieser Kunststofftaschen ein, das entspricht 3.500 Tonnen, Rewe listet sämtliches Plastik-Einweggeschirr aus.
Eine Möglichkeit der Einsparung ist auch, Plastik-Verpackungen zu optimieren, die Verpackungen etwa beim Fleisch um rund 60 Prozent dünner zu machen mittels „Flat-Skin Verpackungen“. Lidl setzt zudem auf dünnwandigere Knotenbeutel für lose Ware, Bio-Kartoffeln oder Bio-Zwiebeln sollen in Zellulosenetzte aus Buchenholz, Rewe setzt auf „natural branding“, macht als ein „Tattoo“ auf Süßkartoffeln oder Avocados, „bei Zitrusfrüchten ist das nicht möglich, da die Schale Pigmente bildet und das gelaserte Logo im Laufe der Zeit verschwindet“, so Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath. Wurde jüngst noch argumentiert, Bio-Gurken folieren zu müssen, um sie von konventionellen Gurken unterscheiden zu können, vermeldete Rewe Anfang Januar: „Die Zeit der in Schutzfolie verpackten Bio-Gurke ist vorbei. Sie hat nun nur noch ein kleines Klebeetikett.

Der Konsument ist gefordert!
Dass aber weniger Plastik zu Hause anfällt, kann jeder Einzelne beeinflussen. Eine Veränderung der eigenen Gewohnheiten mag schwierig sein, ist aber wirksam. Vor allem ein guter Anfang.
Den haben auch wir mal gemacht und gingen mit dem Vorsatz „lose einzukaufen“ los. Vor allem mit der Frage, was kostet der Plastikverzicht bei Obst und Gemüse? Wie viel teurer ist es?  

Dazu haben wir unsere eigenen Netzchen mitgenommen, die haben wir bei Aldi, Lidl und auch Feneberg gebraucht. Bei Rewe schon nicht mehr, denn dort hängen beim Obst- und Gemüse zwei weiße Netze, die kosten 1,49 Euro. Deren Eigengewicht wird dann an der Kasse abgezogen. Feneberg wird hier folgen, „wir sind gerade dabei, wiederverwertbare Netze für Obst und Gemüse aufzunehmen, können ein genaues Datum aber noch nicht sagen“, so Pressesprecherin Sonja Kehr. Bis dahin gibt es die Knotentüte aus 85% nachwachsenden Rohstoffen. Sie ist recyclingfähig, aber nicht kompostierbar.
 

Loses ist nicht teurer – wenn man hinschaut!
Nicht jeder hat den passenden Geldbeutel, um nur im Bio-Laden einzukaufen. Plastik reduzieren und lose einkaufen geht auch beim Discounter! Bei unserem Einkauf haben wir jeweils aufs Kilo umgerechnet, und es war echt erstaunlich, dass man einfach „nur“ genau hinschauen muss. Ob man lose oder verpackt kauft, macht finanziell oft gar keinen großen Unterschied, ist manchmal sogar günstiger, etwa bei den Tomaten von Lidl und Aldi. Zudem hat sich gezeigt, dass wenn wir zu den plastikfreien Produkten gegriffen haben, viel mehr regionale Produkte im Einkaufsnetz liegen, die keine langen Transportwege hinter sich haben. Gerade bei Feneberg war dies der Fall, hier stammen die „VonHier“ Produkte ja aus kleinen Betrieben, die nach Bio-Kriterien wie Bioland oder Demeter arbeiten. „Klar sind die teurer, denn sie haben auch faire Preise für ihre Produkte“, betont die Feneberg-Pressesprecherin.
Bei unserem Selbstversuch hat sich gezeigt, dass man auch weniger wegschmeißt. Statt gedankenlos einen riesen Beutel Möhren zu kaufen, kommt man der Menge, die wirklich verbraucht und gegessen wird schon sehr nahe. In den Müller wanderten so gut wie keine Lebensmittel mehr, nur weil zuviel gekauft und dann doch nicht gebraucht wurde.
Bei uns sind die Obst- und Gemüsetütchen jetzt immer mit dabei, sie geben einem auch das Gefühl, Verantwortung zu übernehmen und als Konsument – wenn’s auch nicht von heut‘ auf morgen geht – Einfluss nehmen zu können.

 

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