Das Spiel mit dem Schuh der Pferde

 

Hufeisenwerfen ist ein ganz besonderer Sport: Gstandene Männer und Frauen versuchen, ein 1,3 Kilogramm schweres Sportgerät aus einer Distanz von elf (Männer) oder neun Metern (Frauen), so zu schleudern, dass es möglichst einen senkrechten Metallstab umschlingt, sich um ihn dreht oder ihm zumindest näher liegt als die Pferdeschuhe der anderen Spieler. „Horseshoepitching“ ist natürlich in Amerika beheimatet, auch wenn angeblich schon die alten Römer vor 2000 Jahren zum Zeitvertreib mit Hufeisen geworfen haben sollen. Belassen wir den Ursprung als eine Erfindung amerikanischer Feldarbeiter, die Erntefrüchte, etwa Mais, über eine größere Distanz in Körbe warfen, um die Ernte rechtzeitig und schnell einzubringen. Später wurde dies zu einer Freizeitbeschäftigung der amerikanischen Cowboys, die sich auf längeren Viehtrieben die freie Zeit damit vertrieben, Hufeisen auf ein bestimmtes Ziel zu werfen. Da es auf den Viehtrieben immer wieder zum Verlust von Hufeisen kam hatten die Cowboys genügend Ersatz dabei. Es wurde dazu um einen Holzpfahl eine kleine Erhebung aufgeschüttet.

 

Cowboys und –girls  am Wurf
In Eichenried fand auf dem Gelände des „Mooseisen Eichenried“ die 23. deutsche Meisterschaft statt. Elf Vereine aus fünf Bundesländern waren angereist, 36 Männer und 18 Frauen kämpften zwei Tage um die zu Titel. Der 35 Mitglieder starke Eichenrieder Verein war mit 15 Aktiven am Start, das Gelände bis hin zu den schwarz-rot-goldenen gestrichenen Besen bestens präpariert, selbst die Nationalhymne fehlte nicht. Mannschaften aus Schwaikheim, Backnang, Ebni, Haßloch, Gomaringen, Leutenbach oder Kleinbodung stellten die stärksten Konkurrenten, wenngleich sich Eichenried seit seiner Gründung 1999 zu einem der größten Vereine gemausert hat. Samstags standen die Meisterschaften in der Disziplin German auf dem Turnierplan, wo die Wurfdistanz für Männer und Frauen jeweils neun Meter beträgt. Am Sonntag die Disziplin American, bei der die Männer 11,27 Meter, die Frauen 8,27 Meter weit treffen müssen.

Country, Western und „Kling“
„Ein gutes Auge und ein guter Schwung sind für den Hufeisensport entscheidend", erklärt Willy Räse aus Schwaikheim, der für sich in Anspruch nimmt, das Spiel 1987 aus den USA importiert zu haben. Auf einer Party in Detroit, bei der er in einem Country Club Musik gemacht habe, sei er infiziert worden und habe das Hufeisenwerfen bei den Country und Western Fans in Deutschland bekannt gemacht. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland regelmäßig Turniere und Landeswettbewerbe, bei denen man sich für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren kann. In Ermangelung von Ranches und Cowboys wird hierzulande auf speziellen „Court“ gespielt wird. Wie in den USA läuft dazu Western-Musik, sind Cowboy-Hüte ein Muss für Männerköpfe und hohe, spitze Leder-Stiefel sowieso Standard.

 

Der gute Schwung macht’s
Es gibt noch ein paar Unterschiede zwischen der amerikanischen und der deutschen Spielweise. In den USA spielt jeder Werfer für sich, in dem er 100 Hufeisen nacheinander auf den in den Boden gerammten Stab in 11,27 m Entfernung wirft. Die erzielten Punkte werden addiert und der Spieler mit der höchsten Punktzahl hat gewonnen. In Deutschland wird die American Disziplin mit nur acht Hufeisen und nach dem Sudden Death Prinzip auf acht Durchgänge gespielt. Das heißt, dass immer zwei Spieler auf dem Court stehen und gegeneinander abwechselnd zwei Hufeisen werfen. Nach jedem Durchgang werden Punkte verteilt: drei gibt’s dafür, wenn das Hufeisen das ersehnte „Kling“ macht und den Stab umschlungen hat, zwei Punkte, für das Hufeisen, das dem Stab am nächsten liegt und einen Punkt zweinächste. Der Spieler mit der höheren Punktzahl nach acht Durchgängen erreicht hat ist eine Runde weiter. Zusätzlich gibt es in bei uns noch die German Disziplin, bei der jeder Spieler für sich Punkte machen kann, indem er insgesamt 36 Hufeisen in sechs Durchgängen wirft.

Die Platzierungen der Eichenrieder waren wie immer top: Martina Schrädobler freute sich über den 2. Platz American, Richard Fuchs erwarf mit 71 Punkte den 2. Platz German. Adolf Dreiseitel durfte neben dem 4. Platz in der American Wertung sich zudem gemeinsam mit Georg Semegi über den 1. Platz in der Mannschaftswertung freuen. Obgleich ein Glückssymbol ist, findet nicht jedes Hufeisen ins Ziel, „es braucht Konzentration, Augenmaß und auch Kraft“, so Dreiseitel. Den „guten Schwung“ trainiert er zwei Mal die Woche, auch im Winter, wenn’s das Wetter zulässt. „Mitmachen kann jeder. Einfach vorbeikommen und ausprobieren. Eisen sind genügend da!“

 

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