Lyriker der Farbe und Form

Johann Georg Schlech

 

 

Franz Xaver Stahl und Johann Georg Schlech haben neben ihrer Malerei ein verbindendes Ele-ment, eine Frau: Margarete, die mit beiden verheiratet war. Dass von beiden Malern Gemälde im Museum Stahl hängen ist Museumsleiterin Heike Kronseder zu verdanken. Sie kannte Margarete
noch persönlich und „verwaltet“ daher auch ihren Nachlass und alles, was über Georg Schlech daraus hervor geht. Derzeit hängen rund 20 Bilder im Museum, Hunderte liegen im Depot. Da Schlech am 2. September dieses Jahres 120. Geburtstag feiern würde, hat Kronseder ihm eine
Sonderausstellung gewidmet.

Es ist aber nicht „nur“ Margarete, die beide Maler verbindet, denn sowohl der zwei Jahre jüngere Stahl als auch Schlech waren Tiermaler, Schlech zudem in der Landschaftsmalerei aktiv. Der geborene Münchner wohnte in Prien am Chiemsee, wo er 1952 auch starb, sein Atelier und die Stadtwohnung lagen in der Goethestraße 26. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde Schlech wie die meisten seiner jugendlichen Kameraden zum Kriegsdienst einberufen. Zwei
Mal war er bei Einsätzen, die ihn bis ans Schwarze Meer brachten, verschüttet. Als Beiflieger stürzte er mit seiner Maschine ab und in der Folgezeit aufgrund der schweren Verletzungen infolge des Absturzes schmerzhafte Zahnoperationen über sich ergehen lassen. Trotz der Kriegswirren schaffte Georg das Notabitur und wurde 1920 an der Akademie der Bildenden Künste in München in der Klasse von Heinrich von Zügel aufgenommen. Er schloss sein Studium als Meisterschüler ab, sein Spezialgebiet war die Tiermalerei. Nebenher vernachlässigte er keineswegs Figur und Landschaft, denen er je nach Stimmung in Öl, Aquarell oder Tempera die charakteristischen Reize abzugewinnen wusste.

 

Ab 1926 lebte und arbeitet Georg Schlech im Rückgebäude der Goethestrasse 28 in München. In diesem Atelier traf er sich auch mit Künstlerfreunden zur gegenseitigen Begutachtung der neuen Werke, zum geselligen Beisammensein mit kritischen Gesprächen über Kunst und manchmal auch zum Musizieren, Schlech spielte Klavier, Orgel und Gitarre. Er besuchte Aus-stellungen und Museen, befasste sich mit Kunstliteratur, malte und zeichnet viele Stunden am Tag; zeitlebens benötigte er täglich nur wenige Stunden Schlaf. 1936 heiratet er die 13 Jahre jüngere Margarete Gruber, sie imponierte ihm durch ihr Wissen, ihre Geschicklichkeit, ihre künstlerischen Ideen und ihre Bereitschaft zur konstruktiven und ehrlichen Kritik. Zu ihrem engen Freundeskreis gehörte auch Tiermaler Franz Xaver Stahl aus Erding, man traf sich  wö-chentlich in den Ateliers und besprach die neuen Werke auf den Staffeleien oder Arbeitstischen. Die Natur der Chiemseegegend, die Nähe zum See und das Leben fern ab der Großstadt hatte für das junge Paar einen so besonderen Reiz, dass sie nach Prien umzogen. Hier entdeckte Schlech das Malen in der freien Natur. Oft malte er mit Öl auf Leinwand, er verstand es, die Stimmungen des Lichtes, das Spiel der Atmosphäre, den Wechsel von Sonne und Schatten sowie die momentanen Empfindungen der erlebten Natur einzufangen. Oft zog er aber auch nur mit Skizzenblock und Stiften los, um nach der schnellen Zeichnung oder nach Studien im Atelier das perfekt durchdachte Gemälde zu komponieren. Schlech malte feinsinnige Landschaftsbil-der, in der Einfachheit der Zeichnung und dem Kolorit ist sein ganzes Wesen enthalten. Zeitgenossen schildern ihn als Lyriker der Farbe und der Form. Seine bevorzugten Motive sind Schilf, Bachläufe, Moore, Gräser und Begegnungen beim Gang durch die Natur. Er malt zuneh-mend in kleineren Formaten. Die heile Welt zu zeigen und in seinen Gemälden für die Nachwelt zu erhalten war sein Hauptanliegen.

 

Sein Nachlass besteht aus vielen hundert Gemälden und Zeichnungen, Studien und Skizzen in denen er vergangene Impressionen einer nicht mehr existenten bayerischen Landschaft hinterlässt: Einsame Wege voller wilder Vegetation, unbegra-digte Bachläufe, halbverfallene Torfhütten, Bauernfuhrwerke mit Ochsen, Schafherden, Obst-gärten, Heumandl und all die anderen liebevoll beobachteten Details einer Landschaft. „Er malt nicht mit der Hand, nicht mit dem Pinsel und all den Requisiten, sondern mit Geist und Seele“, beschreibt ihn seine Frau Margarete. Weiche Stifte ermöglichten ein schnelles Zeichnen, ein unmittelbares Festhalten der Natureindrücke, Kommilitonen nannten ihn liebevoll den „König der Buntstiftl“. Georg Schlech hatte sich für seine vielen Buntstifte ein Säckchen nähen lassen, das er bei den Gängen in die
freie Natur immer bei sich hatte. Schlech galt unter den Künstlern seiner Zeit auch als ange-sehener Grafiker. Bereits in seiner Studienzeit war er als freier Mitarbeiter bei der Zeitschrift „Der Deutsche Jäger“ beschäftigt, nach 1945 arbeitete er als Illustrator der Jagdzeitschrift „Die
Pirsch“. Seine virtuose Zeichenkunst kam auch beim Bemalen von Fliesen und Kacheln, die er hauptsächlich mit Tier- und Pflanzenmotiven versah, zum Tragen. Am 14. Januar 1952 verstarb Georg Schlech. Er ist in Prien am Chiemsee beerdigt.

 

Sonderausstellung "Johann Georg Schlech" vom 1.9. bis 5.1.2020 im Museum Stahl

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