MEHR ALS EIN BISSCHEN „DRRRT „

Harfenistin Barbara Pöschl-Edrich

 

 

40 Kilo schwer und mannshoch ist die Harfe, mit 47 Saiten und auch noch sieben Pedalen aus-gestattet ist es eines der größten und schwersten Instrumente. Trotzdem wird die Harfe oft als das „Instrument der Engel“ bezeichnet und bedient damit ein Klischee eines sanften und lieb-lichen Klangs voller Romantik mit leichten plätschernden Läufen und Glissandi. Allgemein
üblich denkt man da an grazile Damen im Orchestergraben, an ätherisch-durchsichtige Elfen, die mit zerbrechlichen Fingern in die Saiten greifen.

 

Barbara Pöschl-Edrich ist Harfenistin und zwar eine der Besten. Sie hat am Mozarteum in Salz-burg, in London und Boston Harfe studiert. Während ihres 14-jährigen Aufenthaltes ab dem Jahr 2000 bis 2014 in den USA etablierte sie sich zu einer der aktivsten und erfolgreichsten Harfenistinnen in Boston: Soloharfenistin des Lexington Symphony Orchesters, erste Harfenistin von Boston Baroque und der Handel & Haydn Society. Pöschl-Edrich konzertierte mit dem Bos-ton Symphony Orchester in der berühmten Symphony Hall und während des Tanglewood Music
Festivals unter der Leitung von Seiji Ozawa, James Levine, John Williams und Kurt Masur. Nach der Graduierung zum Doctor of Music Arts wurde sie Lehrbeauftragte an der Boston University. Seit fünf Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Erding, spielt Substitut am Gärtnerplatztheater
und mit den Münchner Symphonikern, arbeitet als Solistin und Dozentin sowie mit neu formier-ten Kammermusikgruppen. Im November vergangenen Jahres gründete sie den Verein KammerKonzerte Erding e.V., der am 3. Oktober 2019 um 19 Uhr im Museum Erding sein Er-öffnungskonzert gibt. „Ja, ich bin eine ganz klassisch ausgebildete Konzertharfenistin“, sagt Pöschl-Edrich, ihr Spektrum für Harfe reicht jedoch bis weit in die moderne Musik hinein. Auch Pöschl-Edrich ist von der körperlichen Statur eher feingliedrig mit schmalen, langen Fingern gesegnet. „Aber wir Harfenisten sind Handwerker, wir brauchen Kraft im Körper.“ Die ätherische Konzertharfenistin sei leider ein fast nicht zu killendes Klischee! Als Beweis greift sie sich eine ihrer grossen Harfen in ihrem „Wohnzimmer“ und sehr schnell ist zu merken, dass Harfenmusik nicht unbedingt etwas mit weihnachtlichem Frohlocken zu tun haben muss.

 

Die Stahl-Saiten der Harfe haben eine Zugspannung von 1,5 Tonnen, die müssen mit den Fingern erst einmal in Bewegung gebracht werden, da braucht man schon Power und auch ein gehöriges Maß an Hornhaut auf den Fingerkuppen. Alle Saiten fühlen sich gleich an, „man muss ständig schauen, ob man denn auf der richtigen Saite ist“, erklärt Pöschl-Edrich. Hinzu kommen bei jeder Saite – je nach Pedalstellung – noch drei weitere Töne hinzu, „da muss man schon sehr genau wissen, was man macht. Aber Harfe ist wunderbar zu lernen, nie stand für mich ein an-deres Instrument zur Debatte.“ Im Alter von neun Jahren hat sie begonnen und sich mit 17 für

ein Leben als Berufsmusikerin entschieden. Dass sie mit diesem Instrument nicht „Mainstream“ ist, war ihr bewusst. „Ich finde es schön, dass man den Klang direkt mit dem Körper, den Fin-gern erzeugen kann. Es ist kein Hammer wie beim Klavier und kein Bogen wie beim Streichin-strument dazwischen. Mich reizen auch die vielen Klangfarben, die man zur Verfügung hat. Ich habe ein körperliches Bedürfnis, die Saiten zu zupfen.“ Trete man nicht als Solist auf, sondern ist Bestandteil eines Orchesters, müsse man auch sehr gut zählen können, „Streicher und Bläser bekommen von ihrem Dirigenten ihre Einsätze, wenn ich mal nach 100 Takten Pause dran bin,
dann muss ich oft genug selbst auf zack sein.“

 

Mit der Gründung des Vereins „KammerKonzerte Erding e.V.“ verwirklicht sich Pöschl-Edrich einen Traum. Sie bringt hier Berufsmusiker in verschiedenen Formationen von zwei bis acht Personen in einem professionellen Rahmen zusammen. Bei Oberbürgermeister Max Gotz sei sie auf offene Ohren gestoßen, auch „gibt es in Erding bereits so einiges, aber für Gutes ist immer Platz“, ist sie sich sicher. Viele Ideen und Anregungen aus ihrer Bostoner Zeit bringt die Har-fenistin mit ein, „damals war ich Mitmacherin, heute bin ich Macherin.“ Zwei Konzerte im Jahr sollen es sein, feste Termine gibt es auch schon: Ostermontag und der Tag der Deutschen Ein-heit. „Hier in Erding will ich musizieren, in meiner Wahlheimat“, deshalb finden die Konzerte auch im Erdinger Museum statt, „für mich der ideale Austragungsort.“ Ein exquisites Musizieren soll es sein, excellente Musiker zu finden sei aufgrund ihrer Kontakte kein Problem, „ich bin mir sicher, hier eine Nische in und für Erding gefunden zu haben.“ Sie und ihre Harfe werden dabei jedoch keinesfalls im Vordergrund stehen, „ich muss da nicht jedesmal unbedingt mitspielen.“ Was Pöschl-Edrich jedoch auf jeden Fall immer möchte, „das ist der Austausch mit dem Publi-kum. Ich werde etwa eineStunde vorher da sein und auch jeden einzelnen Zuhörer begrüßen
und willkommen heißen. Nach dem Konzert können die Gäste auch gerne noch da bleiben und mit mir und den Musikern über die Stücke sprechen.“ Wie in einer Familie eben. Ohne despek-tierlich klingen zu wollen, die 46-Jährige hat eine „soziale Ader“, möchte mit ihrer Musik be-rühren und „Gutes tun“. Sie kann sich gut vorstellen, mit ihrer kleinen Harfe, die sie problemlos ins Auto packen kann, musikalische Hausbesuche, auch in Altenheimen oder Krankenhäuser zu machen. Bei alten und kranken Menschen zu Hause zu spielen, wenn diese ihre Wohnungen
oder Zimmer nicht mehr verlassen können. „Die menschliche Komponente ist da wesentlich wichtiger als die musikalische. Auch wenn die Musik natürlich der Türöffner ist.“
Diese Musikbesuche sind sehr individuell geschnitten, „das wird etwas ganz Besonderes werden.“

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