Schaut doch mal!

27. Oktober: Museum Erding und Museum Stahl für Nachtschwärmer

 

Wer kennt sie nicht die Hollywood Filme „Nachts im Museum“ mit Ben Stiller und Robin Williams. Selbst „Museums-Muffel“, die noch nie einen Schritt in ein Museum gesetzt haben, werden verzaubert durch die komödiantische Darstellung des Museum of Natural History in New York, in dem die Exponate nachts zum Leben erwachen. Auch wenn es sich um eine Hollywood-Inszenierung handelt, bei der sich manch‘ Historikern, Archäologen oder Anthropologen den Magen umdreht, weil hochwissenschaftliche Materie auf Otto-Normalverbraucher-Niveau heruntergeschraubt wird und vieles nichts mit der wahren Wissenschaft zu tun hat. Genau das macht den Film so sehenswert, er macht deutlich, dass ein Museum keineswegs nicht etwas Verstaubtes, Antiquiertes ist, sondern hier gelebte Geschichte steht.

 

Harald Krause vom „museum erding“ und Dr. Heike Kronseder vom „Stahl-Museum“ mit Ben Stiller gleichzusetzen - nein darum geht es nicht. Aber beide haben den genau den Ansatz, nämlich Geschichte „normalen“ Menschen näher zu bringen. Menschen, die eben kein zehn semestriges Historiker-Studium hinter sich haben, unsere Vergangenheit verständlich zu machen und sie für unsere Vergangenheit zu begeistern.

Die „Lange Nacht der Museen“ (heuer am Freitag, den 27. Oktober) geht seit 20 Jahren in diese Richtung. Die erste fand 1997 in Berlin statt, eine gemeinsame Eintrittskarte ermöglicht den Besuchern den Zugang zu allen Einrichtungen und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Seitdem gibt es aufgrund der riesigen Resonanz jedes Jahr ein bis zwei lange Berliner Museumsnächte. Inzwischen finden die Nächte in über 120 Städten statt. In München haben in diesem Jahr 90 Museen zwischen 17 und zwei Uhr geöffnet. Kunst, Kultur, Wissenschaft oder Technik – die Themen, die Nachtschwärmer erleben können, sind vielfältig und unterhaltsam. In Paris gibt es die „Nuit Blanche“, „die museums-n8“ in Amsterdam, die „Lange Nacht der Museen“ in Wien und Frankfurt, wo auch Galerien geöffnet haben. Bonn macht seit 1995 ein Museumsmeilen-Fest daraus, in Bielefeld nehmen Theater und Kirchen teil, gibt es Lichtinstallationen und Theatervorstellungen unter freiem Himmel.

 

Die Lange Nacht in Erding ist eine wunderbare Gelegenheit, einen Streifzug durch die Geschichte zu machen. Das Museum Franz Xaver Stahl in der Landshuter Straße 31 öffnet die Museumstüren im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des berühmten Kunstmalers Franz Xaver Stahl (1901-1977)  für Besucher von 17 bis 22 Uhr. Bei freiem Eintritt kann man die Galerieräume im Erdgeschoß besichtigen. Dort ist die Sonderausstellung „Aus dem grafischen Werk: Zeichnungen von Franz Xaver Stahl" zu sehen. Schnelle Skizzen, feine Bleistiftzeichnungen, Grafiken vom zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bis 1977 sowie Skizzenblöcke aus dem Depot sind ausgestellt. Das Obergeschoß bietet einen Blick in die einstigen privaten Wohnräume des Tiermalers Stahl. Die Wohnräume und das Atelier Stahls sind noch im originalen Zustand erhalten, selbst die letzten von Stahl gerauchten Virginia-Stumpen liegen noch im Aschenbecher neben der Staffelei. Darauf steht das unvollendet gebliebene Gemälde „Heimtrieb". „Zudem werden in der Langen Nacht der Museen Erfrischungen und Süßes aus dem Stahl´schen Obstgarten serviert und es gibt natürlich auch kurze Führungen durchs Haus“, so Museumsleiterin Heike Kronseder.

Jeweils zur vollen Stunde wartet das Museum Erding in der Prielmayerstraße 1 mit Themenführungen auf. Um 18 Uhr geht es los mit Dr. Albrecht Gribl unter dem Motto „Vom Suppenbrunzer bis zur Bronzeplastik – Ein Rundgang durch die Welt der Erdinger Kunst und Künstler“. Um 19 Uhr leitet  Harald Krause den „Ein Streifzug durch das Museum Erding – Rundgang durch alle Abteilungen“. Zum Thema „Vom Werden einer Stadt: Handel, Handwerk, Gesellschaft. Erdings Aufbruch im 19. und 20. Jahrhundert“ hat um 20 Uhr wieder Dr. Albrecht Gribl das Wort und um 21 Uhr geht’s mit Harald Krause durch „7000 Jahre Kunst und Kunstfertigkeit – eine archäologische Spurensuche durch die Jahrtausende“.
Wer eine „Kunstpause“ einlegen will, für den hat das Museums-Café durchgehend geöffnet, zudem wird die Lange Nacht im Foyer musikalisch umrahmt.

 

 

 

Der Museums-Shop im Museum Erding hat bis 22 Uhr geöffnet. Hier gibt’s viel Erdinger Literatur: neben den Ausstellungsbegleitbänden zu Archäologie, Loderer- und Glockengießerhandwerk, Alltagsgeschichten, Kunst & Künstler und zur Stadtgeschichte liegen lokalgeschichtliche Publikationen aus Stadt und Landkreis aus, wie etwa „Erding im Ersten Weltkrieg“. Besonders empfehlenswert sind die neuen und reich bebilderten Veröffentlichungen in der Museumsschriftenreihe: „Schatzkammer Erding – Kunst und Kostbarkeiten im öffentlichen Raum einer altbayerischen Stadt“ sowie „Spangenbarrenhort Oberding. Gebündelt und vergraben – ein rätselhaftes Kupferdepot der Frühbronzezeit“.

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