„Die Luftqualität in der Nachbarschaft des Flughafens ist gut.“

(Sagt die Umweltabteilung des Flughafens)

 

 

Seit vielen Jahren messen Graskulturen und Grünkohl die Luftqualität am Münchner Airport, das nennt sich „Biomonitoring“. Das Fazit dieser Untersuchungen teilt die FMG mit: „Die Luftqualität am und um den Flughafen München ist gut. Gesetzliche Immissions- und Bodenschutzwerte
werden deutlich unterschritten und potenzielle Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Produktion in der Flughafenregion durch aus der Luft stammende Einträge sind nicht festzustellen.“ Das hat man zwischen 2006 und 2018 mit 276 Bioindikatoren und jährlich
2.000 Messwerten herausgefunden. Dazu werden in den Sommermonaten Pflanztöpfe mit Gräsern an „geeigneten Standorten“ aufgestellt, bei kälteren Temperaturen im Oktober und November kommt Grünkohl zum Einsatz. Untersucht werden so Spuren von Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) an bis zu 28 Messpunkten.
Noch besser als rund um den gesamten Flughafen ist jedoch wohl die Luftqualität in Wartenberg (sagt die FMG).
Vom 9. Januar bis zum 30. Juni 2018 wurden Messungen in der Marktgemeinde durchgeführt: Bei sämtlichen Parametern wurden die Grenzwerte deutlich unterschritten. Hermann Blomeyer, Leiter der Umweltabteilung der FMG, erklärte vor wenigen Tagen im Wartenberger Gemeinderat: „Die von uns ermittelten Werte entsprechen den Messergebnissen, die in Bayern im gleichen Zeitraum in vorstädtischen bis ländlichen Lagen festgestellt wurden. Es konnten keine nennenswerten Belastungen, die auf den Betrieb des Flughafens zurückgehen, konstatiert werden.“ Demzufolge liegen alle im Gemeindebereich Wartenberg erhobenen Messwerte deutlich unter den von der 39. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) zum Schutz
der menschlichen Gesundheit vorgegebenen Grenzwerten und unterhalb Das sagt der Bürgerverein Freising zur „guten Luft“ rund um den Flughafen: Zunächst einmal geht die wirkliche Gesundheitsgefahr nicht vom Feinstaub aus, den der Flughafen misst, sondern vom „Ultra-Feinstaub“(UFP). Das sind Feststoff-Teilchen aus der Verbrennung fossiler Stoffe kleiner als 100 Nanometer. Auf der Zugspitze gibt es etwa 1000 Partikel davon in einem Würfel mit den
Kantenlängen von einem Zentimeter, „Landluft“ hat 3.000, eine Wohngegend gut 4.000 Teilchen, das ist auch der deutsche „Durchschnittswert“.
Die gleiche Wohngegend aber, fünf bis zehn Kilometer vom Flughafen entfernt, weist, wenn der Wind vom Airport kommt, 45.000 UFP-Partikel je Kubikzentimeter auf. „Spitzenreiter“ im Umland des Flughafens ist Hallbergmoos mit bis zu 80.000 Partikel – also dem 20-Fachen des
Durchschnitts. Und am Besucherhügel, dem MAC und dem Frachtbereich einschlägiger Beurteilungswerte. Die Untersuchung zeigt, dass der Flughafen München die Luftqualität in
Wartenberg nicht in nennenswerten Umfang beeinflusst. Die gemessenen Werte für Stickstoffdioxid (NO2) waren bislang die niedrigsten aller mobilen Messungen. Auch beim Schwefeldioxid (SO2) wurden sehr geringe Konzentrationen registriert. Die FMG betreibt neben zwei festen Messstationen seit fünf Jahren auch eine mobile Messstation, mit der Schadstoffe systematisch erfasst werden. Diese wurde im Ortsgebiet von Wartenberg für sechs Monate in
unmittelbarer Nähe der Marie-Pettenbeck-Schule sowie der Strogenhalle aufgestellt.
Unter anderem wurde auch Feinstaub gemessen, mit einem Mittelwert von 17μg/m3 zwar nur
„befriedigend“, doch der Immissionsgrenzwert von 40 μg/m3 wurde deutlich unterschritten.
auf dem Flughafen wurden schon Werte bis zu 1.500.000 Teilchen in einem Kubikzentimeter gemessen. Genau da, wo es die allerhöchsten UFP-Werte gibt, will der Flughafen sein neues Gewerbegebiet „LabCampus“ hinsetzen. Exakt dort steht bereits die Kindertagesstätte „Airport-
Hopser“! Das interessiert aber weder FMG, noch die Staatsregierung oder das Landratsamt Freising. Es darf eben einfach nicht sein!
Diese Extrem-Belastung stammt vom Flugbenzin: Ein Gramm Kerosin verbrennt zu rund 100 Milliarden Partikel in der Größe von 10 bis 50 Nanometer – eben genau zu UFP-Teilchen. Täglich werden am Münchner Flughafen ungefiltert und bodennah 500.000 Liter Kerosin verbrannt: bei Starts, Landungen, vor allem aber beim Rollen zwischen den Terminals und
Start-/Landebahnen.


Der Bürgerverein Freising konnte durch permanentes Nachhaken (44 Briefe an Minister,
Abgeordnete, FMG, fünf Demos, 168 Messungen rund um den Flughafen) wenigstens erreichen, dass der Freistaat erstmals ein bayernweites „UFP-Monitoring“ macht und dies mit 1,4 Millionen
Euro unterstützt.
Nach Meinung des BV könnte man die UFP-Belastung schlagartig reduzieren, wenn der Flughafen aufhören würde, künstlich Flugbewegungen einzukaufen. Hierfür wurden 2018 an 32 Fluggesellschaften 24 Millionen Euro verschenkt, die so 15.000 Flugbewegungen und damit Lärm und Schmutz verursachten.
Zudem stellt der BV erstaunt fest, dass für die gesunde Luft der Kindertagesstätte „Airport
Hopser“, die mitten im Zentrum der UFP-Höchstbelastung liegt, keine Behörde zuständig ist. Weder FMG, noch das Landratsamt Freising, das Landesamt für Umwelt oder das Luftamt
Süd zeigten sich verantwortlich. Man verwies auf eine Messstelle – 3,5 Kilometer von den Hopsern entfernt. Aber dort sei die Luft eben: gut!

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