Volkslieder im Gottesdienst

Interview mit Stadtpfarrer Martin Garmaier

 

 

Die Volksmusiktage beziehen seit Jahren die katholischen Pfarreien in ihr Programm ein. Dann gestalten traditionell-bairische Gruppen und Mundartensembles die Sonntagsgottesdienste
mit. Im Interview erklärt der Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier, warum Volkslieder allerdings nur begrenzt im Kirchenalltag gesungen werden können.

 

Herr Pfarrer, welchen Stellenwert haben bairische Volkslieder im religiösen Raum?
„Bairische Volkslieder bilden derzeit in der liturgischen Feier eher einen Randbereich ab. Sie sind ein wichtiger Teil unserer bairischen Kultur und haben damit auch einen wertvollen
und bedeutenden Platz im religiösen Bereich. Im Sinne der Vielfalt gottesdienstlicher Gestaltung muss auch bairisches Liedgut im Gottesdienst seinen Platz finden, darf aber nicht übergewichtig werden.“

Ist es schwierig, Volkslieder in den Gottesdienst zu integrieren?
„Ja, schon. Erstens sind mittlerweile auch viele bairische Gottesdienstbesucher des bairischen Dialektes nicht mehr wirklich mächtig. Und gerade im städtischen Bereich kommen sehr viele Gläubige zusammen, die aus allen Bundesländern Deutschlands und darüber hinaus stammen. Da wird es dann eher peinlich, würde man alle dazu animieren, Lieder im bairischen Dialekt zu singen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass einzelne Musikgruppen die musikalische Gestaltung übernehmen. Allerdings soll der Gesang ein Beitrag der Gemeinde zur tätigen Mitfeier der Liturgie sein. Andernfalls würde die Musik in der Liturgie eher einer Aufführung gleichen.“

Wie aktuell sind Volkslieder?
„Das ist die nächste Schwierigkeit. Gerade sehr viele ältere Texte aus dem liturgischen Volksliedgut entspringen sprachlich wie inhaltlich eher einfachem Gedanken- und Glaubensgut. Sie entsprechen vielfach nicht mehr dem heutigen theologischen Verständnis. Und da tue ich mich zumindest sehr schwer, wenn diese in sehr vereinfachter Form rein persönlichen und
manchmal naiven Glauben zum Ausdruck bringen, der eher einem Kind zuzuschreiben ist, nicht aber einem erwachsenen, weiterdenkenden und Verantwortung übernehmendem Erwachsenen. Mein großer Wunsch wäre es in diesem Zusammenhang, es würde gelingen, bairische Volksweisen mit neueren und aktuelleren Texten zu kombinieren.“

Wie organisieren Sie den Gottesdienst? Sprechen Sie Lieder und Verlauf mit den Künstlern ab? „Im Pfarrverband Erding-Langengeisling liegt die musikalische Gestaltung in aller Regel in den
Händen unserer Kirchenmusiker, die hierzu ja ihre eigene Ausbildung haben. Selbstverständlich wird dies immer auch mit dem jeweiligen Zelebranten abgesprochen.“

Das Interview führte Christian Wanninger

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